Die kleine Weinstube nahe des nordwestlichen Randes der Innenstadt wirkt rustikal aber äußerst unscheinbar. Zwischen den vielen farbenfrohen Boutiquen und teuren Restaurants mit den ausgefallenen Außengärten geht sie gerade zu ein. Hölzerne von Zeit gezeichnete Pforten begrüßen den Gast und versetzen diesen ein wenig in eine alte mediterrane Welt. Von eleganter Atmosphäre lässt sich hier anfangs noch wenig erkennen.
Erst wenn man eintritt eröffnet sich einem die gemütliche Atmosphäre der rustikalen Weinstube - ein zeitloses Juwel inmitten des stetigen Trubels der Moderne. Unter Weinkennern gilt Moser‘s Weinstube als absoluter Geheimtipp in Leipzig - Qualitätsweine, angefangen vom guten Tropfen für die einfache Geldbörse bis hin zur Edelauslese für die Vermögenden - in den Regalen des hiesigen Steinkellers sucht man vergeblich nach minderwertigen Weinerzeugnissen.
Das Interieur passt sich schmeichelnd in die Stimmung der dämmrigen Beleuchtung ein - Tische und Stühle von dunklem Holz, einfache beige Tischdecken, Kerzenschein und allerlei unterstreichende Verzierungen an den groben, steinernen Wänden. Geräumig mag man die Weinstube nicht nennen, für eine Stadt wie Leipzig handelt es sich bei Moser‘s eher um einen kleinen Insider-Laden - wie ein Treffpunkt für einen exklusiven Club. Im Sommer führt eine kleine Treppe auf die gemütliche Dachterasse des relativ niedrigen Gebäudes. Sie ist kaum größer als die Weinstube selbst, jedoch mit einem Holzlaube überdacht an deren Pfeilern und Seitengittern sich zur Atmosphäre passende Weinreben hinauf schlängeln.
Die Bedienungen sind zumeist Damen von offensichtlich mittlerem Alter, es schien als achte man hier bewusst darauf keine zu jungen Angestellten zu halten. Der Dresscode hier gleicht dem eines feinen Restaurants, weiße Hemden und schwarze Westen wie Schürzen. Ab und an kann man den Geschäftsführer Bertram Moser selbst in der Stube antreffen: Ein stämmiger Schnauzbartträger in den Fünfzigern, nahezu immer einen rötlichen Farbton sowie ein fröhliches Lächeln im Gesicht. Zumeist findet man ihm an Tisch mit Gästen in regen Gesprächen - ausgewählten Gäste serviert er seine feinen Tropfen sogar höchstpersönlich.
Der fast ausschließlich in dunkle braun und grautöne gekleidete Anzugträger strahlt gewissermaßen eine Art Herzenswärme und Menschlichkeit aus wie sie ihres gleichen sucht. Deren Intensität hängt aber zumeist auch von der Uhrzeit und dem Weinkonsum des Geschäftsführers ab.
Das Klientel in Moser‘s Weinstube ist den Erwartungen entsprechend eher im reiferen Alterssektor angesiedelt - ab Mitte 30 aufwärts findet man hier sowohl Manager und Unternehmer als auch den ganz einfachen Liebhaber von um die Ecke. In der Stube steht die Zeit still - sie ist der richtige Ort wenn man dem schnelllebigen Stadtleben für ein paar Stunden entkommen möchte und sich zu einer gemütlichen Zigarre oder Pfeife zu einem geistreichen Gespräch zusammenfinden will.
Auf persönliche Anfrage lädt Bertram Moser auch gern zu privaten Weinproben im Nebenraum für geschlossene Gesellschaft der Weinstube auf. Er hält Platz für etwa 10 - 12 Personen und wird von einigen Kunden auch oft als schlichter abgegrenzter Raum gemietet, in dem man ungestört Privat- und Geschäftsgesprächen nachgehen kann. Ein alter Perserteppich, sowie Bücherregale mit alten Klassikern zur linken und zur Rechten, die wohl eher einen dekorativen Zweck erfüllen, schmücken den Raum aus.
Vom Nebenraum aus führt eine weitere Tür in den Weinkeller selbst - der jedoch nur vom Personal genutzt werden darf und den nur sehr selten ein Gast selbst zu Gesicht bekommt. Der Traube edler Tropfen ist das fein gehütete Geheimnis des Händlers.