Dietrich der Bedrängte ist Schuld an dem, was jetzt folgt. Ein administrativer Mischmasch, der sich seit 1213 irgendwie so ergeben hat in Leipzig. Denn einmal gehörten die Teile einem Ganzen an. Die Teile? Forum Thomanum, Thomaskirche, Thomanerchor, Schola Thomana, gehörten allemal zu den Augustiner Chorherren. Nur dass es die schon gar nicht mehr gibt in Leipzig. Allzumal sowas wie ein religiöser Orden eh seine Bedeutung für den Medianbürger längst darin hat, dass man dort eine Fehrsehsendung für das Zdf drehen kann.Was sie als Hinterlassenschaft der Stadt übergeben haben ist eine der ältesten Bildungseinrichtungen in Sachsen. Einer der bekanntesten Knabenchöre der Welt. Eine der bedeutendsten Musik-schulen Deutschlands. Eine der Hauptkirchen von Leipzig. Mit Superlativen ist hier im kulturellen Sektor zu geizen sowieso unüblich, doch schneidet es hier die Oberfläche des gewöhnlich-aussergewöhnlichen eher im rechten Winkel als als Tangentiale dem SUperlativ nur ewig nahe kommen zu wollen. Die Thomaner sind einer der besten Chöre Deutschlands.
Schließlich hat Johann-Sebasti
an -- dessen Stücke sind auch das, was man wohl das Herzstück der Aufführungen nennen möchte -- mal den Chor geleitet. Genau wie der eine oder andere illustre Musiker seiner Zeit. Schreck oder Thomas könnte man ja kennen? Und -- in einer gewissen dunkeldeutschen Zeit -- auch mal ein inoffizieller Mitarbeiter der Stasi.Denn in jener Zeit war der Chor, wie so vieles andere, Devisenquelle. Kunstproduktion für den Westmarkt. In einer anderen dunkeldeutschen Zeit war man auch mal Bestandteil der Hinterjugend. All das Geschichte, vergangen... vorbei. Ja gewisse Dinge haben sich von der Geschichte sogar nicht beeindrucken lassen.Der Chor besteht aus Jugendlichen, die in einem Internat leben. Heute ist das nicht mehr an ein Kloster gebunden. Die Organisationsstrukturen haben sich aber schon längere Zeit nicht geändert. Man lebt auf Stuben, betreut sich gegenseitig. Wenig Lehrpersonal, viel Eigenverantwortung. Soll gut sein für die Persönlichkeit. Oder sowas.

Sobald die Persönlichkeit dann im Garten jener Schule gereift ist -- im Zweifel die Matura als Zeichen für ein gewisses etwas erworben hat -- beginnt Leben im Alumnat. Der Ehemaligenverein gehört ebenfalls zum Komplex um den Heiligen Thomas, sitzt auch gleich mit im Schulgebäude. Hier versammelt sich das Netzwerk der musisch begabten um... sicher nicht... Beziehungen spielen zu lassen... der Schule bei Bedarf noch einen Notgroschen zuzustecken. Man organisiert kulturelle Veralstaltungen und singt...
die Thomaner nach altem Brauch in der Thomaskirche. Der Klang von Engelsstimmen rauscht von fern dort will mans sagen.