Leipzig war schon immer eine Domäne der Könige, schon zu Zeiten, in denen das schwarze Kreuz noch existierte, in einer Epoche, in der es keinen Zweifel gab, wer die Herren dieses Landes waren. Mit der Entstehung der Camarilla bröckelte jedoch die absolute Macht, der absolute Anspruch über das eigene Land. Das Lehen des schwarzen Kreuzes zerfiel, wie auch alle anderen größeren kainitischen Fürstentümer. Und dennoch vergisst man seine eigene Geschichte, die Verbundenheit, die Liebe zum eigenen Vaterland nicht.
Mit Moritz von Sachsen verlor der Clan der Könige in Leipzig seine ruhmreichste Persönlichkeit der letzten Jahrzehnte. Eine Lücke, die sein Erbe niemals füllen konnte. Die Herrschaft seines Kindes endete schnell und ohne jeden Ruhm. Erschlagen auf seinem eigenen Grund und Boden, nachdem er Jahre zuvor nahezu seine ganze Domäne unter mysteriösen Umständen verlor.
Ein düsteres, ein dunkeles Kapitel. Eines von Verlust, eines von verlorener, geteilter Macht. Doch wer teilt schon gern, was einem nach eigenem Ermessen zusteht?
Mit Friedrich von Sachsen beansprucht nun eine völlig unbekannte Größe die Domäne für sich. Niemand weiß so recht, woher er gekommen und wer er eigentlich genau ist. Gerüchte über seine Person gibt es viele, doch was wahr ist und was nicht, liegt in den Schatten der Geschichte verborgen wie seine Motive. Niemand wagt es seinen Anspruch und seinen Status in Frage zu stellen und je die es getan haben sollen, verstummten und verschwanden. Er lebt zurückgezogen in seinem prachtvollen Schloss etwas außerhalb der Stadt. Über seinen Clan hält er schützend seine Hand, bevorzugt das eigene Blut offen.
Und dennoch behandelt er es mit nahezu der gleichen Ignoranz wie den Rest der Domäne. Weder ist er auf den Treffen des Clans anwesend, noch sonst ist er zu sprechen. Die meisten haben ihn nur ein einziges Mal gesehen, die wenigsten mit ihm nur ein Wort gewechselt. Er kommuniziert einzig über seine vermeintliche rechte Hand, einer weiteren unbekannten Größe, die sich selbst Praetorius von Richthofen nennt. Ein ironischer Name für einen Schwarzen.
Welche Ansprüche der Prinz an seinen Clan hat, hat er niemals offen formuliert. Aber warum sollte er auch Selbstverständliches in Worte kleiden. Als Ventrue hat man stets Verantwortung zu tragen, Vorbildfunktion zu übernehmen und sich für die Gesellschaft einzusetzen. Als herrschender Clan mögen all die Pflichten eines Königs nicht weniger werden, ganz im Gegenteil. Ein jeder von Ihnen vertritt nicht nur den Clan, nicht nur sich selbst, sondern auch ein Stückweit seinen Prinzen.
Die jüngste Vergangenheit war alles andere als glorreich. Der Clan der Könige hat sich so manche Schwäche gleistet. Weitere könnten dazu führen endgültig zu fallen und die Stadt für immer zu verlieren. Die Gleichgültigkeit mit der der neue Prinz den Mitgliedern der Domäne begegnet, will auch nicht unbedingt dazu führen, dass die eingerissenen Brücken wieder aufgebaut werden. Für den Moment hat es zwar dennoch den Anschein, dass die anderen Clans sich mit den herrschenden Umständen arrangiert haben, aber es ist kein Geheimnis, dass der Clan der Brujah auf seine Chance lauert.
Ein weiterer Fehlschlag, eine weitere Schwäche könnte die letzte sein, könnte dazu führen, dass die restlichen Clans sich vereinen und jemanden anderem ihr „Vertrauen“ schenken.
Der Clan Ventrue muss sich beweisen, ganz gleich, ob es ihm gefällt oder nicht. Und es sind vor allem die Jüngeren, welche jetzt im öffentlichen Blickpunkt stehen.
Die Zukunft scheint alles andere als ohne Herausforderung….