Könige werden geboren, nicht gemacht

Der Clan der Könige versteht sich selbst als die Aristokratie der kainitischen Gesellschaft. Jedes einzelne Mitglied wurde sorgsam erwählt, denn niemals gibt ein König sein Blut unbedacht oder aus einer Laune heraus an einen Menschen weiter. Jedes potentielle Kind muss in den Augen seines künftigen Erzeugers für Wert befunden werden, das exklusive Blut des Clans erhalten zu dürfen. So scheint es nicht ungewöhnlich, daß manch ein Ventrue das Leben des von ihm erwählten Menschen Jahre begleitet oder gar lenkt, bevor er sich diesem zu erkennen gibt, um dessen weiteren Weg entgültig zu beschließen. Oftmals werden aus diesem Grunde nur Mitglieder einer bestimmten Familie oder eines gewissen Standes auserkoren. Nach dem Kuss beginnt die eigentliche Ausbildungszeit, in welcher der künftige König nicht selten Jahrzehnte im Status eines Kindes verbleibt, um die Bedeutung der Camarilla und seiner Mitgliedschaft im Clan zu begreifen. 

In jedem Augenblick seiner Existenz repräsentiert er nicht nur sich selbst, sondern auch sein Geblüt und so ist es nicht verwunderlich, das kaum ein anderer Kainit das Tier im Inneren mehr zu unterdrücken sucht als ein Ventrue. Sich an dieses zu verlieren bedeutet nicht nur den Verlust der Kontrolle, sondern auch die Aufgabe des standesgemäßen Verhaltens, was als nichts weniger als inakzeptabel angesehen werden muss. 

In seinem Selbstverständnis strebt ein Ventrue nach Herrschaft nicht aus Eigennutz, sondern aus der Pflicht die heiligen Traditionen zu verteidigen und die Ordnung der Sekte zu erhalten. Ohne sie gäbe es keine Maskerade und somit auch keine Vampire. Er erträgt die Pflichten der Herrschaft mit stoischem Gleichmut und akzeptiert deren Privilegien. Was für einen Aussenstehenden wie Arroganz wirken muss, begründet sich aus der einfachen Erkenntnis, daß nur ein Ventrue befähigt ist die Bürde der Krone zu ertragen. Es ist ihr Blut, dem die Führung der Kainiten obliegt und sie tun dies nicht nur mit Stil und Eleganz, sondern auch mit allen gebotenen Mitteln. Nicht umsonst beherrscht Clan Ventrue einen Grossteil der Gebiete der Camarilla. Das Schlachtfeld des Clans ist das gesellschaftliche Parkett, ein jedes Mitglied des Blutes strebt nach Kontrolle wichtiger sterblicher Institutionen und der Medien. Erfolg und Macht haben einen hohen Stellenwert in den Reihen des Clans, aber nichts von all dem besitzt einen Wert, wenn man sich als unfähig erweist seine Errungenschaften zu verteidigen.

Man muss die Könige nicht mögen, mag sie für arrogante Tyrannen halten und doch sind sie es, an die man sich in Zeiten der Not wendet.

Demokratie - Herrschaft des Volkes? Als ob sich das Volk beherrschen könnte.
© Erhard Blanck (*1942)

Text: Arnold Krupp von Bohlen und Halbach 

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