Ich habe nie behauptet, dass die heiligen Traditionen, die Umgangsformen und die Strukturen, die sich in unserer Gesellschaft über die Jahrtausende etabliert haben, frei von Zwängen sind. Ganz im Gegenteil, natürlich ist es nötig, Rahmenbedingungen zu schaffen und jene auch durchzusetzen, denn wie ich schon sagte, weder der Kainit noch der Mensch ist geschaffen ohne jene Strukturen miteinander auszukommen. Wenn es so wäre, bräuchte man all dieses nicht. Sie sind eine Notwendigkeit. Nicht mehr, nicht weniger.“
Richard von Rothenburg, Clan Ventrue, Nürnberg

Ordnung. Etikette. Gier. Mord. Macht. Kampf. Tradition. Tod.

All das ist die Camarilla... und vieles mehr. Gegründet im 15. Jahrhundert, um der Verfolgung durch die Inquisition Herr zu werden, um von nun an verborgen unter den Menschen zu leben und für ihre Augen unsichtbar an den Fäden der Macht zu ziehen. Die Erhaltung der eigenen Art... das Überleben der eigenen Rasse ist das Ziel, aus dem der Zusammenschluss der Clans überhaupt erst erfolgte und dem nun alles andere rigoros untergeordnet wird. Die offensichtlichen Waffen niedergelegt, ringt man nun auf den Schlachtfeldern der Elysien der Stadt um Siege... Vorherrschaft... Macht.

Inzwischen ist sie alt, die Camarilla und mit ihr diejenigen, deren Vorstellung von der Welt das geschaffene Bild maßgeblich bestimmt. Unter all dem Schein von Zivilisation und dem Glanz der Gesellschaft lauert immer noch das Tier... und wehe, wenn es losgelassen. In einer Gesellschaft von Raubtieren ist sich jeder selbst der nächste, jedes menschlich scheinende Gefühl wie Mitleid, Nächstenliebe vergeht bald... oder man geht mit ihm zugrunde.
Für Schwache gibt es keinen Platz und jede Position... so hart erkämpft, wird man ebenso hart nach unten verteidigen.... und ist damit klammheimlich schon Teil des Systems.
Vertrauen ist ein rares Gut, denn nichts, was je im Vertrauen gesprochen wird, kann als wirklich sicher gelten. Nichts.... gar nichts. Denn selbst, wenn der wohlgesonnenste Gegenüber es heute noch gut meint, mag der Tag kommen, an dem er eine größere Schuld einlösen muss oder seine Loyalität sich ändert... denn überleben heißt das Ziel und geopfert wird, wer geopfert werden muss.

Die Camarilla ist keine Demokratie, sie ist ein totalitäres System, in dem derjenige Macht besitzt, der sie sich hat erobern können... und der fähig ist diese zu verteidigen. Gerechtigkeit ist ein Konstrukt der Moderne... ebenso wie Humanität... oder Fairness. Für ein Raubtier sind diese für uns so unglaublich elementar scheinenden Dinge des täglichen Miteinanders ohne Belang... und wenn es sich zwischen sich selbst oder jemand anderem entscheiden muss, wird die Entscheidung am ehesten der eigenen Person gelten. Entscheidungen treffen diejenigen, die die Macht dazu besitzen... und Gerechtigkeit wird am wenigsten in ihre Beschlüsse einfließen. Es gilt das System zu schützen, zu bewahren, was bewahrt werden muss, um die eigene Macht zu erhalten... die Camarilla.... und das mit allen Konsequenzen.

Never change a running system.
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