Zierlich, schlank und eine durchwegs hübsche, wenn auch etwas verletzlich wirkende Erscheinung, so würde man die junge 27-jährige Sidonie wohl beschreiben. Ein klein wenig blass im Gesicht vielleicht; der Blick ihrer hellen, blauen Augen dabei aber stets freundlich und wohlwollend. Das Lächeln wirkt schüchtern aber ehrlich, wenn sie sich, wie so häufig, eine Strähne ihres kastanienbraunen, schulterlangen Haares wieder hinters Ohr streift, weil der Pferdeschwanz nicht richtig sitzen will.

Fast möchte man, trotz des ungewöhnlichen Namens und ihrem beinahe perfekten, akzentfreiem Deutsch meinen, sie wäre gar nicht aus dem Ausland. Jedoch verrät sie ein sachte akzentuierter, melodischer Klang in der Stimme. Und spätestens wenn man Sidonie, eine schwere Mappe unter den Arm geklemmt, mit der anderen Hand ihr Mobiltelefon ans Ohr pressend, langsam und etwas verloren durch den abendlichen Park schlendern sieht, sich dabei angeregt und freudig mit der Familie unterhaltend, kann man sich ein leichtes Schmunzeln kaum verkneifen. Gar Französisch? Mais bien sûr!

Ein freundlicher Händedruck, nicht allzu fest, gefolgt von einem gewinnenden Lächeln das ihre Lippen umspielt. Kurze und gepflegte Nägel, dezentes Make-up, offenbar ebenso mit Bedacht gewählt wie ihre Kleidung. Ansprechend, modern und frisch, durchaus alltagstauglich und geschickt kombiniert mit einer gewissen persönlichen Note– sie achtet sichtlich auf ihr Äußeres. Das hat sie von ihrer Mutter.

Die letzten Strahlen der Abendsonne fallen ihr ins Gesicht als sie eilig, mit der Befürchtung zu spät zur Arbeit zu kommen, die Straße überquert und lassen für einen Sekundenbruchteil, ein leichtes Rot in ihren Haaren aufblitzen. Ja, ihr war danach. Kurz darauf, ein höchst energisches und lautstarkes Fluchen als ein schnell vorbeiziehender Wagen sie beinahe streift. Ein bunter, blumiger Schwall aus französischer und deutscher Schimpfkultur. Das hat sie von ihrem Vater.

Rasch hebt sie noch eine Hand, winkt und blickt zum Abschied zurück, bevor sie ihren Schritt beschleunigt und einen flüchtigen Blick auf ihre Armbanduhr wirft. Merde! Und bis morgen
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