Als Alessandro durch die engen Gassen Florenz schritt, hallten die Schritte seiner maßgefertigten Lederschuhe an dem alten Gemäuer wider. Wie ein Echo zwischen zwei Welten. Schwarz in der Farbe, passte es zu dem dunklen Anzug. Auffällig hierbei wollte lediglich die gute Verarbeitung und die hohe Qualität des Stoffes sein, welches den Stil des Medicinachfahren prägt. Das Sakko formte die Schultern

des Mannes vorteilhaft, ließen sie breiter wirken als sie eigentlich waren. Mit seiner Körpergröße von 1,78 m stach er nicht aus der Masse heraus. Dafür jedoch durch die Körperhaltung selbst. Aufrecht und das Haupt stolz erhoben, der Gang ohne Eile, erschien er zielstrebig in seinem voran kommen. Ein gelegentlicher Wind zupfte nur schwach an dem dunklen, kurzen Haar im modischem Schnitt. Nur flüchtig richtete er sich die Krawatte und warf einen Blick auf den Siegelring an seiner Rechten. Das Wappen seiner Familie funkelte in dem dunklen Silber unter dem gelblichen Licht der Laterne über sich. Der Ring gehörte ebenso zu den kleinen Bekundungen seines Stolzes bezüglich der eigenen Herkunft, wie auch die Florentiner Lilie die sich auf seinen Manschettenknöpfen zeigten. Er zögerte nicht und betrat das vertraute Gebäude. Empfangen wurde er durch warmes Licht, ehe die Glastür hinter ihm leise zu glitt.

Wie oft war er nun schon vor diesem Gemälde gestanden? Wie oft hatte er es betrachtet und sich gefragt: wie viel von ihm ist auch in mir? Unzählige Male. Eine gewisse Ähnlichkeit war durchaus vorhanden.
Die selbe lange Nase, leicht gekrümmt. Die schmalen Lippen die nur zu oft grimmig erscheinen wollten. Die selben dunklen Augenpaare. Sogar die Gesichtsform schien auf den ersten Blick eine gewisse Ähnlichkeit zu Cosimo I de' Medici zu haben.
Alessandros Augen glitten über das alte Bildnis seines Vorfahren hinweg, welches hinter dem Glas an der Wand hing und von dem indirekten Licht erleuchtet wurde. Wie viel von ihm ist in mir? Die Optik war eine Sache. Das Wesen eine völlig Andere.
Es sollte das letzte Mal sein, dass er das Originalwerk von Bronzino betrachtete. Ein Abschied, nicht nur an die Hallen die ihm eine Heimat geworden waren. Es war wie ein Kapitel, das man beendete um ein neues Aufschlagen zu können.

Sein neues Kapitel sollte den Titel Leipzig tragen.

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