Der Industriepalast
tanz, tanz, tanz das feuer brennt in dir
tanz, tanz du wirst die wärme spür'n
tanz, tanz, tanz die ganze nacht gehört dir
tanz, tanz voll leidenschaft und gier
- Letzte Instanz – Tanz -
Brutale Beats diktieren den Rhythmus der Nacht. Selbst durch die
schweren eisernen Abschotttore der ehemaligen Maschinenfabrik sind
die Vibes und Vocals der Undergroundmusik zu hören. Jede Nacht
stehen hier die jungen Menschen der Stadt in einer sich über den
dreckigen Asphalt und unter den zuckenden Lichtern windenden
Schlange und warten auf Einlass in den Industriepalast.
Hat man es erst einmal geschafft, an den eigens dafür
eingestellten, sehr peniblen Gesichtskontrolleuren und den dahinter
stehenden grimmig drein sehenden Türstehern vorbei zu gelangen, so
betritt man eine Welt die einem nicht fremder erscheinen könnte.
Auf knapp zweitausend Quadratmetern erstreckt sich eine skurrile
Tanzlandschaft aus hämmernden Beats, gleißend hellem Stroboskop
und scharf schneidendem Laser, der über die zuckenden und
schwitzenden Körper der tobenden Menge fährt. Zeit und Raum
verlieren fast ihre Bedeutung, die kontrastreiche Einrichtung lässt
jeden Sinn in Milliarden von glühenden Funken zerbersten, um sich
in unglaublichen Konstellationen wieder zusammensetzen.
Die Luft ist geschwängert von dem aufregenden Geruch von frischem
Schweiß, laszivem Sex und jungem Blut. Das durchwegs junge Publikum
erfreut sich an der Vielfalt der Musik im Industriepalast.
Die mehrstöckige Location ist in mehrere Areas unterteilt: im
vorderen Teil des Erdgeschosses befinden sich direkt hinter dem
Einlass erst einmal die Garderoben und die erste der insgesamt drei
Bars, welche direkt in die erste große Tanzfläche mündet, die wie
alle von progressiven und aggressiven Beats beschallt wird. Sie ist
in durchgehend dunklen Farben gehalten und das Stroboskop entfacht
ein regelrechtes Blitzgewitter an den glänzend pechschwarzen
Wänden, die sich so abgerundet wie Halfpipes in die extremen Höhen
der Haupthalle strecken. Auf der gegenüberliegenden Seite des
Eingangsbereiches auf der Tanzfläche durchbricht ein riesiges
zweitüriges Rolltor die nassschwarzen Wände und gibt den Weg in
den hinteren Bereich des Erdgeschosses frei.
Geht man hindurch so stößt man schnell auf ein Geländer, welches
ein trockengelegtes riesiges Wasserbecken umrundet, das nun als
zweite Area fungiert: Wieder preschen einem, dieses Mal von unten
aus den jetzt weiß gefliesten Wänden des tennisfeldgroßen
Beckens, Wellen von harten Rhythmen entgegen. Die Decke in diesem
Teil des Industriepalastes liegt tiefer und an
Stahlträgerkonstruktionen hängen die zahlreichen Scheinwerfer und
Lichtmaschinen die das Becken in ein schrilles Licht hüllen, dass
sich in den glatten spiegelnden Fliesen bricht. Der Gangway um das
Becken herum ist so gut wie nicht beleuchtet, so dass das Becken auf
skurrile Weise in der Schwärze wie ein farbiger Fleck aufleuchtet.
Nur im Boden eingelassene matte Leuchten weisen den sicheren Weg um
die tiefer gelegene Tanzfläche herum und zu der zweiten Bar die
hier in grellen Farbkontrasten in der Dunkelheit aufschreit.
Geht man eines der zahlreichen Treppenhäuser nach oben in den
zweiten und als letztes für Gäste zugänglichen Stock, so glaubt
man sich in einer komplett anderen Umgebung wieder zu finden:
Gedämpftes Licht und harmonische Musik beruhigen die angeschlagenen
visuellen und akustischen Empfindungen und wirken wie Balsam.
Gedeckte Farben dominieren die weite Chill-Out-Fläche des Clubs und
die Formen und Anordnungen der Möbel vermitteln einen entspannenden
Eindruck. Mocca und zartes Weiß dominieren zwischen pastellenen
Farben auf dem italienischen geschwungenen Interieur und den weit
verlegten Flokatiteppichen die bis zur letzten Tanzfläche, die
direkt ohne Abgrenzungen in den Raum übergeht, hin reichen: Ihr
Anblick ist äußerst schlicht. Der Boden sowie die Wände bestehen
aus schwarz angestrichenem Beton und nur eine einzelne
überdimensional große Discokugel dreht sich langsam zu chilligen
Tönen direkt in der Mitte der Decke. Auf der eher kleinen
Tanzfläche kann man sich von den beruhigenden Tönen treiben
lassen, sie scheint wie ein weiteres Kunstwerk im Industriepalast zu
sein.
Die letzte Bar des Palastes liegt auch hier und fügt sich nahtlos
in die entspannte Atmosphäre ein. Hier oben gibt es, wie auch an
den anderen Bars blendend aussehende, Kellnerinnen und Kellner die
den gesprächigen und zahlungsfreudigen Gästen ein breites Spektrum
an Getränken anbieten können. Ein wirklich breites, munkelt man.
Der dritte Stock des Clubs ist abgesperrt, und wird wie es scheint
strengstens abgeschirmt... Aber wie auch immer, der Industriepalast
ist neu, schrill und absolut laut.
Queens,
in der nähe vom JFK Airport.
South zone park