Flints Bar

Unweit des Central Park erheben sich die alte Bauten New Yorks, Monumente des Beginns einen aufstrebenden 20. Jahrhunderts: Mehrstöckige Wohnhäuser und Bürogebäude, die meisten von ihnen liebevoll renoviert und gepflegt, viele aber auch heruntergekommen. In einem deutlich besseren Teil dieses Viertels scheint sich ein niedriges Gebäude zwischen seinen Nachbarn geradezu zu verstecken. Die vom Ruß und Abgas zahlreicher Jahre geschwärzte Fassade aus dunklem Backstein hebt sich kaum von der der übrigen Gebäude ab. Es gibt nur ein Fenster, das während des Tages stets von einer hölzernen Jalousie verschlossen ist, und nur eine Tür aus massivem, dunklen Holz. Über ihr ist ein schlichtes Schild angebracht, das in schmalen, goldenen Lettern auf schwarzem Grund verkündet:

FLINT'S BAR


Tritt man ins Innere, erkennt man sofort, dass die luxuriös anmutende Einrichtung das einfache Äußere Lügen straft. Dunkles Holz, möglicherweise Mahagoni, und hier und dort gußeiserne oder goldene Verzierungen herrschen vor. Die Wände sind mit Holz vertäfelt, und die Bartheke reiht sich in das geschmackvolle Design im Stil der 20er Jahre ein. Im vorderen Bereich der Bar befinden sich, neben der Theke, einige wenige Sitzgruppen aus meist mit schwarzem Leder bezogenen Sesseln, die allesamt in dämmriges Licht getaucht sind. Abgetrennt durch eine Wand mit breitem Durchgang befinden sich im hinteren Bereich der kleinen Bar etwa ein halbes Dutzend Tische entlang der Wände, jeweils nur für zwei Personen. Auch hier ist das Licht weit herunter gedimmt und indirekt, die Tische werden nur von den milchigen Lampen, von denen über jedem eine von der Decke hängt, erhellt. An den Wänden finden sich vor allem Ölgemälde, hauptsächlich Portraits, Landschaftsbilder und Stilleben, die zur altmodischen Atmosphäre beitragen.




Für gewöhnlich finden sich niemals mehr als drei Gäste zur selben Zeit in der Bar ein. Meist handelt es sich bei ihnen um ältere, in der Regel vermögende Männer, die die Ruhe und Exklusivität an diesem Ort schätzen und willens sind, die hohen Preise dafür zu zahlen. Da ein Großteil der Klientel die Bar aufsucht, um sich zu entspannen, hängt immer der schwere, teils süßliche Duft gerauchter Zigarren und Pfeifen in der Luft, der im Gegensatz zum kalten, abgestandenen Gestank von Zigaretten den meisten Besuchern angenehm auffällt. Hinter der Theke steht an jedem Abend derselbe junge Mann, die Haare passend zur Einrichtung nostalgisch mit Pomade frisiert und in ein weisses Hemd mit schwarzer Fliege und Weste gekleidet. Üblicherweise nimmt er die Wünsche der Kunden schweigend entgegen und ist die meiste Zeit über damit beschäftigt, die Theke zu pflegen und zu säubern, was oft die einzige Geräuschquelle in dem stillen Etablisment ist, das auf Musik oder gar einen Fernseher verzichtet.


Flint's Bar liegt nur einen kurzen von einigen Minuten Fußweg vom Central Park entfernt, und ist außer Sonntags jeden Tag in der Woche über ab den frühen Abendstunden geöffnet. Es gibt keinen vorgeschriebenen Dresscode, allerdings würde sich jemand in allzu legerer Kleidung vermutlich sehr fehl am Platze fühlen. Die Preise für die Getränke sind hoffnungslos überteuert, aber die meisten Kunden besuchen die Bar ohnehin nur ihres authentischen Flairs wegen. Etwa um zwei Uhr morgens wird sie geschlossen, allerdings nie, solange noch ein jemand zu Gast ist.


 


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