by Jean Carpenter » 12 Sep 2013, 00:24
Regen. Wide Angle.
Regen der laut prasselnd gegen das Blech und die Scheiben hämmerte, als ersuchte er dadurch sich selbst Einlass zu gewähren oder doch mehr den Nachdruck seines Verlangens deutlicher zu machen. Drohend. So vertraut und doch auch nicht. Die Szenerie beschrieb eine andere. Das Bild war fremd, aber ebenso vorgegeben wie die Linien, die zu begehen waren, unsichtbar und dennoch so deutlich.
Regen. Färbte alles eine Nuance dunkler. Schwarz und weiß im tiefen Grau der Nacht.
Am Bordstein rann bereits ein kleiner Bach in den nächstgelegenen Abwasserkanal, während Unebenheiten des Bodens sich mit winzigen Seen füllten. Es wären noch wenige Schritte bis zum Eingang zu gehen, aber ausreichend viele, um den Griff zum Regenschirm zu tätigen.
Kaum wurde ihr die Tür geöffnet, spannt sich schon der Nässe abweisende Stoff in tiefem Schwarz über ihr, innenseitig ausgelegt mit schwarzer Spitze in floralem Muster. Die eigene Bekleidung sah sich leicht gerafft, wo die Schritte von Ruhe geprägt, ihren Weg bis in das Innere aufnahmen.
Close-Up. Der Empfang dort selbst wurde ihrerseits mit einem eingehenden Blick in die Züge des Grauen bedacht, nicht ohne dabei an Freundlichkeit zu verlieren, gar ein schwaches Lächeln zu schenken, auch wenn es möglicherweise keine Erwiderung fand. Abzugeben hatte sie anscheinend nur zweierlei. Ihren feuchten Schirm und die lange Fellstola, die sich von ihrer linken Schulter bis seitlich den Rücken entlang nach rechts über ihr Gesäß zog, hier und da befeuchtet von vereinzelten Tropfen. Darunter trug sie ein bodenlanges Kleid in zwei Lagen. Die untere aus dunkelroter Seide, farblich passend zu ihren Lippen und den Fingernägeln, welche unter enganliegenden, weißen Spitzenhanschuhen hervor glänzten. Die obere nur feiner schwarzer Chiffon, der direkt unter der Brust eng gerafft durch eine schmale, schmucklose Borte in zwei Seiten geteilt wurde. Jeder Schritt war es so, der das Schwarz einen Deut beiseite schlug, um den Ton darunter hervorzuheben. Der Saum dessen war fein bestickt mit dunklen Perlen, die noch ein Stück höher wanderten und dann endeten. Gehalten blieb es durch die durchsichtigen, kurzen Ärmel, die durch ihren Schnitt einen tiefgehenden V-Ausschnitt bildeten. In letzterem lagen zwei Ketten. Eine in Bronze, die in regelmäßigen Abständen zueinander zwischen den Gliedern dünne Kugeln barg, unverziert und schnöde. Die andere eine matt silberne mit einem gewundenen Anhänger, indem mittig, aber asymmetrisch Granat funkelte, gleich zu den Steckern in ihren Ohren.
Das hellbraune Haar war weiblich ganz unklassisch, so kurz, dafür aber in eine ordentliche Wasserwelle nach hinten gelegt, ihr bleiches Gesicht gänzlich frei. Wenig Betonung durch Make-Up. Ein schwarzer, langgezogener Lidstrich, dunkle Wimpern. Das Muttermal rechtsseitig direkt neben dem Auge. Unter dem Arm trug sie eine lederne Clutch. Falls ein Blick hinein gewünscht wurde, so gewährte sie ihn selbstverständlich. Allerdings fand sich dort kein einziges, technisches Gerät oder gar eine Waffe – vielleicht aber wollte man ihr das Feuerzeug abnehmen.
High-Angle.Vor der Treppe angekommen, harrte sie einen Moment aus, bedachte die Enge des Gemäuers selbst, um dann nur den Stoff leicht zu heben und ruhig die Stufen nach unten zu nehmen. Ungesehen dabei wohl blieb die minimale Veränderung ihres Blickes, manch einer hätte es nicht einmal ausmachen können, was es war, das an der neuerlichen Mimik unstimmig erscheinen wollte. Aber so verlor es sich doch nur in den Schatten selbst. Den Gang entlang blieb sie zentral dazu, ganz so, als hegte sie einen neurotischen Tick, bloß nicht von der unsichtbaren Linie zu weichen, die das Hallen des Gehens an den Wänden brach.
Im Saal angekommen, vorbei an den lebendigen Statuen, war ihr Ziel offenkundig, selbst wenn sie nicht an Geschwindigkeit zugenommen hatte. Bestimmt im Gang, war es ihre eigene Erstgeborene, vor der sie in einem angemessenem Höflichkeitsabstand innehielt, um die Aufmerksamkeit abzuwarten, die eine Respektsbekundung einleiten konnte. Sich verneigend, harrte sie so nur ein, zwei Sekunden und begab sich dann wieder in die aufrechte Position, um einen Gruß an die Signora auch in verbalisierter Form zu entsenden. Der Blick freundlich, in den Zügen ein Lächeln, kaum hervorgehoben durch angezogene Mundwinkel, eher als gehörten sie in die weichgezeichnete Mimik selbst hinein. Die Stimme dabei gewohnt dunkel und warm im Klang.
Danach gedachte sie sich noch für den Moment zu entschuldigen, um vereinzelte Aufwartungen machen zu können, insofern es gestattet war. Jede Andeutung, die nur minimal interpretieren ließ, dass die Ancilla es gering schätzte, würde ernst genommen werden.
Ansonsten war der Blutvogt ihre nächste Anlaufstelle. Auch hier wurde gewartet, bis bzw. ob sie seine Aufmerksamkeit erhielt, nur um auch hier eine Verbeugung zu vollziehen, gepaart mit einer Vorstellung ihrer Person, wohl um die Form zu wahren, nicht weil Namen unbekannt waren. Nach der Höflichkeitsbezeugung wie erfreut sie über die Bekanntschaft ist, würde sie sich entschuldigen und hoffen, noch einmal zu einem gegebeneren Zeitpunkt ein Gespräch zu erhalten.
Das selbe folgte auch bei Zado, platziert mit einem freundlichen Lächeln, bis er sie entlassen würde.
Es glich ein weniger einem Tanz oder einem Intermezzo, wo die Personen immer weiter wanderten, von einem Standpunkt zum nächsten und doch schien Jean davon keineswegs irritiert, man mochte gar meinen, sie würde die Momente gern noch länger auskosten, wollte aber die Zeit nicht überspannen.
Pretorius von Richthofen erhielt ebenfalls eine persönliche, gesonderte Begrüßung, ein Neigen des Hauptes und eine warmklingende Begrüßung, sobald die Möglichkeit dazu gegeben war. Ein paar weitere Floskeln folgten, ehe sie weiter wanderte.
Fenneke würde mit einem Nicken bedacht, einem sachten Schmunzeln und leichter Erheiterung im Blick – aber mehr als einen Gruß dazu erhielt sie nicht.
Ansonsten galt ihr letzter Blick Michail, auf dem Weg zurück zu ihrer Primogen. Sie würde für einen Moment innehalten, ihn intensiver betrachten, zu weit weg, um einen Gruß angemessen zu entrichten, aber zu offensichtlich im Fokus, um es nicht zu bemerken. Und so er diesem Blick entgegen kam, sollte er nicht mehr als eine minimale Regung um die Mundwinkel erhalten, bevor sie den Kopf zurück in die Gerade brachte und ihr Gehen fortsetzte. Davon gesondert begrüßte sie nun auch die eigenen Reihen, welche nun vollständig sein würde, um selbst ihren Platz einzunehmen und das folgende Geschehen abzuwarten.
"Oh, the phoenix says
- Burn for me
The devil says
- Lie for me
The serpent says
- Beg for me
The siren says
- Die for me"