Der Eintritt der letzten Person gerät in gewisser Weise unspektakulär. Es muss kurz vor Mitternacht sein, dass sie mit einem Mal in der Tür steht, die Hände vor dem Körper zusammengelegt und die Versammelten betrachtet. Die Ventrue trägt viel eisblau, so hell, dass der kalte Farbton nur zu erahnen ist im Lampenlicht. Ein langer Rock, oben eng, von den Knien an weit ausgestellt, dass der Stoff über den Boden streift. Eine Bluse in reinweiß aus losem Seidenstoff, die Ärmel weit, nur an den Handgelenken eng gerafft. Am Kragen sind lange Bänder zu einer Schleife mit langen Enden gebunden. Die neue Mode nennt das Schluppenbluse... ein uneleganter Begriff für ein durchaus elegantes Kleidungsstück. Das Korsett, das sie darüber trägt, ist ebenfalls weiß, aber mit ebenfalls eisblauen Zierstickereien versehen.
Das mahagonifarbene Haar ist streng nach oben gesteckt wie eh und je... manche Dinge wollen sich schlicht nicht ändern. Keine Strähne, die sich aus der Frisur schleicht. Die rauchgrauen Augen sind dunkel betont, ansonsten ist ihr Gesicht bleich, die Lippen farblos. Ein Cameo hängt an einer langen Silberkette herab und endet auf Brusthöhe, ansonsten ist sie schmucklos.
Kein großer Tusch, keine Fanfare begleitet ihren Auftritt, keine große Show oder eine Ankündigung oder eine große Geste von der Empore aus. Stattdessen verklingt nur die Musik, die die Atmosphäre untermalt... unauffällig verschwimmt sie mit den leisen Stimmen im Raum, doch nun, da sie fehlt... fehlt sie. Das leise Klackern von Absätzen begleitet den Eintritt der Ventrue, gepaart mit dem Rascheln von steifer Seide auf dem Parkett. Ein Neigen des Kopfes geschenkt der Signora, als sie vorübergeht, ein Nicken für Morgaine und den Gangrel und zuletzt gen der Brujah mit dem flammenden Haar, ehe sie den Ratstisch erreicht und sich der versammelten Gesellschaft zuwendet. Sie steht noch hinter dem Ratstisch von Seiten der anderen Tische aus besehen, dort wo vor Kopf kein Stuhl positioniert wurde.
Schweigend zunächst, die Hände erneut vor dem Unterkörper zusammen gelegt, einen Moment darauf vergebend, dass die Ruhe einkehrt in den altehrwürdigen Saal, in dem man sich nun befindet. Und als sie schließlich das Wort ergreift geschieht es in gewohnter Form, die tonlose Stimme leise in sich, doch die Worte so akkurat intoniert, dass sie mühelos auch den letzten im Saal zu erreichen vermögen. Es liegt Anmut darin, strenge Eleganz zwar, aber dennoch. Die unverspielte Schönheit von Eisblumen und Licht durch Fensterglas.
"Verehrte Ancillae,
werte Neugeborene,
es ist mir eine besondere Freude, sie zu dieser Gelegenheit... der ersten Versammlung der Domäne, der ersten Zusammenkunft dieser... unserer Gesellschaft nach jenen dunklen Zeiten vor ein wenig mehr als vier Jahren als meine Gäste willkommen zu heißen.
Ein jeder der Anwesenden mag aus anderen Gründen den Weg in diese Stadt gefunden haben. Niemand ist jemals gleich und ebenso naheliegend scheint es, dies von den jeweiligen Motivationen, den getroffenen Entscheidungen anzunehmen, die den eigenen Weg schlussendlich zeichnen. Diese Unterschiede sind es, die uns zu Individuen machen, Vorlieben, Abneigungen, individuelle Eigenheiten und am Ende die Stärken und Schwächen eines Charakters. Gerade letztere mögen in unterschiedlichem Maße vorhanden sein... Grautöne bei dem einen, schwarz oder weiß als Ausdruck von Extremen bei dem anderen."
Ihr Blick wandert, derweil sie die Worte formuliert. Streift die Gesichter, eins nach dem anderen, jeder gerät für einen noch so kleinen Augenblick lang in ihren Fokus. Wird gemustert... bewertet sagen ihre Augen. Einsortiert und in Schubladen gesteckt von grau und schwarz und weiß. Jeder von ihnen und am Ende... ganz am Ende der Reihe die Brujah vor ihr auf dem dunklen Stuhl am Ratstisch, ehe sie wieder in den Saal blickt. Alle ansieht irgendwie, auch wenn das rein technisch gesehen natürlich nicht möglich ist. Dennoch.
"Die soeben genannten Dinge zeichnen den Charakter, formen uns, machen uns zu dem, was wir sind... und führen unsere Schritte. Sie alle fanden nach den dunkelsten Stunden der Geschichte der Domäne Leipzig ihren Weg hierher, ihre Gründe mögen unterschiedlich sein, doch nun sind sie hier. Die Ereignisse jener Zeit liegen nach wie vor im Schatten, doch nun wird es an dieser neu entstehenden Gesellschaft unter der Schirmherrschaft des Rates der Erstgeborenen sein Leipzig ein neues Gesicht zu verleihen.
Der Beginn des Neuen Jahres mag gleichsam ein Symbol für diese Stadt darstellen. Der Beginn eines weiteren Kapitels dieser Domäne, geschrieben von jenen, die am heutigen Abend hier anwesend sind. Die Gelegenheit ein nun mehr weißes Blatt gänzlich neu zu beschreiben. Eine Gesellschaft neu zu formen aus den Trümmern einer zerstörten Stadt, einer Aufgabe, derer wir uns alle annehmen sollten um neue Strukturen zu errichten, klaren Linien zu formen gegenüber all jenen, die dieses Vorhaben zu verhindern trachten. Die Traditionen zu leben und zu verteidigen, Stärke und neue Strukturen zu errichten auf den Grundfesten der Ideale der heiligen Camarilla. Jene Stärken einzusetzen, die ein jeder von ihnen besitzt... für jeden von ihnen mag es eine geeignete Position geben unserer Gesellschaft wertvoll zu sein."
Für einen Moment hält sie inne, lässt die Worte verklingen. Es ist leidenschaftslos gesprochen für Sätze, die Leidenschaft beinhalten könnten. Und dennoch... oder gerade deswegen liegt Überzeugung darin. Keine aus dem Moment heraus, aus Feuer geboren sondern aus Überlegung. Ihre Hände lösen sich aus dem Zusammenhalt und heben sich, ehe sie sie wieder sinken lässt.
"Jemand sagte einst: Das Wort Krise setzt sich im Chinesischen aus 2 Schriftzeichen zusammen - das eine bedeutet Gefahr und das andere Gelegenheit.
Lassen sie uns in diesem Sinne an diesem Abend die Gelegenheit ergreifen einen Neuanfang begehen und dennoch die Geschichte nicht vergessen, auf dass sie ein Mahnmal sei stets wachsam zu sein wider jenen, die Chaos säen wollen zwischen unsere Reihen.
In diesem Sinne sei dieser Abend nun offiziell als eröffnet erklärt."
Für einen Moment lang bleibt sie noch stehen, dann würde sie sich umwenden und ihren Platz am Ratstisch einnehmen, derweil die Musik erneut leise zu spielen beginnt.