by Tae » 10 Aug 2012, 21:34
Als würden sie über das Antlitz einer Geliebten wandern, glitten die Fingerspitzen des Koreaners über die Glasscheibe. Kalt musste ihre Oberfläche sich anfühlen, hinter der die Lichter der Stadt tanzten. Leblos, was in in diesem Moment jedoch nicht von Belang schien. Das Liebkosen fand jedenfalls kein jähes Ende, sondern gewann mehr noch an Intensität. Allein der Zeigefinger reichte aus, um all jene mit der Erinnerung verbundenen Gefühle für den Betrachter greifbar werden zu lassen. Die Angst, die Schönheit des Gegenübers mit einer einzigen Berührung oder Annäherung zu zerstören. Die Versuchung, genau dies vor den eigenen Augen geschehen zu lassen und förmlich zu zelebrieren. Und – Die Verbundenheit, die keine war. Hass, Liebe oder Hassliebe? Der Blick des Toreador war in die Ferne gerichtet und nicht auf das eigene Spiegelbild, dessen Konturen er beizeiten fast schon achtlos nachzog. Das, was er sah … schien seine emotionale Bedeutung verloren zu haben. Als wäre es nicht länger Teil seiner Welt, wenn man der Leere in seinen Augen Glauben schenken mochte. Als wäre es ihm fremd. Minuten vergingen, in denen seine andere Hand schließlich langsam zum Herzen wanderte und förmlich daran Halt suchte. Oder, nicht? Mechanisch krallten die Finger sich in den Stoff, während das ansehnliche Lächeln seines Spiegelbilds zu einem raubtierhaften Grinsen verkam. Als bliebe nur der eine Weg, der verlangte Schmerz mit noch mehr Schmerz zu begegnen. Solange, bis Taubheit sich ausbreitete und das bereits tote Herz ein weiteres Mal von seiner endlosen Qual erlöste. Stillstand und Neubeginn…
I think we'll never change
And our hearts will always separate
Forget about you, I'll forget about you
The things we never say, are better often left alone
Forget about you, I'll forget about this time
~ Hurts, „Unspoken“ ~
Aus den Augenwinkeln betrachtete er einen Jungen, der am Straßenrand stand und auf das Umspringen der Ampel wartete. Er war allein. Inmitten all der anderen Menschen, war das Kind ganz für sich in der Dunkelheit. Den Blick stur auf die andere Straßenseite gerichtet. Das die beiden Schatten, die der Limousine gefolgt waren, kurz vor deren Ziel in der Nacht verschwanden, registrierte der Koreaner zwar, doch bedachte er diesen Umstand kaum mit der gleichen Aufmerksamkeit. Erst kurz bevor er den Wagen verließ, legte sich unvermittelt ein sachtes Lächeln auf seine Lippen, um den Gesichtsausdruck heraufzubeschwören, der dem gepflegten Image des Erben der Familie Park gerecht wurde. Aufmerksam streifte sein Blick über die Szenerie, während der Toreador sich an die Seite des anderen Neugeborenen seines Blutes begab – und in aller Ruhe das gesellschaftliche Schlachtfeld betrat, um in Gedanken die ersten Spielzüge der Beteiligten zu zerlegen. Es begann, der Höflichkeit wollte Genüge getan werden.
Die Farbe des Abends schien Schwarz zu sein. Das Haar des Asiaten war mit Hingabe in Form gebracht worden, sodass jede Strähne seines Ponys das blasse Antlitz förmlich zu liebkosen schien, ohne dabei die ihm eigene Natürlichkeit zu verlieren. Ein Anzug mit Weste und schmaler Krawatte in eben jener dunklen Farbe, wurde von einem reinweißen Hemd und von Hand genähten Lederschuhen ergänzt. Das einzige, zumindest für den Betrachter sichtbare Accessoire, war eine feingliedrige Kette aus Silber, die aus dem Ärmel seines Hemdes ragte und an der ein schmaler Ring sanft jede Bewegung nachzeichnete. Zweifelsfrei, wie alles am Körper Befindliche, schien auch sie ein Stück nicht unerheblichen Wertes zu sein. Die mit Kratzern übersäte Oberfläche des Ringes jedoch, … War Teil einer anderen Geschichte?
왕관을 쓰려는자, 그무게를 견뎌라. The one trying to wear the crown, must bear it's weight.
"The scariest thing in the world? Money.
Even so - If there's no greed, then there's no fear."