Der Gangrel lauschte den Worten in unveränderter Art. Aufmerksam. Ein Hauch von Neugier im Blick. Mit einer Form von Ruhe die sich auch in der Körperhaltung wiederfand. Und dennoch war da etwas hinter dieser „Fassade“, das niemals wirklich ruhelos erscheinen wollte, das stets sprungbereit war, etwas das sich dort im Verborgenen hauste, auf und abging.
Der Ansatz eines Nickens den man mehr erahnen als erkennen konnte aufgrund seiner spantischen Ausführung schloss einen Moment nach dem die Toreador zu einem Ende gekommen war, an deren Worte an. Ob diese Geste sich selbst, einem aufkommenden Gedanken geschuldet war oder vielleicht eine Form von Zustimmung zum Ausdruck bringen sollte war schwer zu deuten und so blieb einem letztendlich nur die eigene Interpretation.
Drei, vier Lidschläge verstrichen….
„Frau Carpenter besitzt ganz ohne Zweifel das offensichtliche Talent zu überzeugen, als auch sich die richtigen ….Freunde… zu machen.“
Erneut mochten die Worte einen spielerischen Klang ihr Eigen nennen, vielleicht auch ein wenig Doppeldeutigkeit in ihrem Herzen tragen. Damit schien dieses Kapitel aber auch schon wieder beendet. Die Züge des Gesichts veränderten sich leicht, das spielerische ganz langsam verblasste.
„Alleine die Unbedarftheit eine solche Aussage, die in so vieler Hinsicht gefährlich und darüber hinaus von selbststörrischer Natur ist.. gerade für ein Mitglied eines herrschenden Clans, das auch noch vom Blute der Könige stammt, gegenüber einem Neuankömmling zu tätigen… spricht Bände.
Ich hoffe Sie haben Frau Seligmann deutlich vor Augen geführt das derlei Haltung für ein Mitglied vom Clan der Könige absolut untragbar ist, eine Gefahr für die größere Ordnung darstellt. Das derlei Haltung weder von Mitgliedern des eigenen Clans und im Besonderen vom Clan Toreador geduldet werden kann, ohne das jene sich selbst dem Verrat der eigenen Wertvorstellungen schuldig machen.
Wenn eine Person wie Ashina die selbst erst vor ein paar Jahren in dieser Domäne gestrandet ist, sich nach derlei kurzen Zeit in der Position wähnt, ein Mitglied eines in der Domäne besser gestellten Clans Toreador, das ihr vermutlich kaum bekannt sein wird, nach kürzester Zeit in einem Elysium offen herauszufordern, dessen „Schutz“ darüber hinaus Sinnbildlich von seiner Majestät in die Hände des Clans Toreador gelegt wurde…
Es ist das schon ein wenig als Alarmierend. Es wirft die Frage auf warum das so ist?
Zweifelslos begünstigen Verhaltensweisen einer Frau Seligmann solche Entwicklungen, wäre sie jedoch die einzige Neugeborene aus den Reihen der Patrizier Clans, mit derlei zu korrigierenden Ansichten, wären die Auswirkungen vermutlich deutlich weniger spürbar“
Erklärte der Gangrel doch sehr offen seine Ansichten, in aller Ruhe.
„Die Geschehnisse um die Jahrtausendwende welche dazu führten das nahezu alle Mitglieder der Domäne Leipzig innerhalb von wenigen Nächten spurlos verschwanden und die Hintergründe dafür nach wie vor nicht aufgeklärt werden konnten, führen unweigerlich dazu, das man derzeit nicht allzu Wählerisch sein kann.
Eine Problematik mit der ein jeder Clan in dieser Stadt zu kämpfen hat. Und so ist es derzeit ein kommen und ein gehen.
Ein stetiges aussortieren. Ein Prozess der noch einige Zeit von statten gehen wird.“
Sprach er weiter. Unverändert in seiner Haltung.
„Letztendlich ist es ein Kampf. Ein Kampf der bewusst von seiner Majestät gefördert wird. Jeder der sich ihm verweigert, wird letztendlich aussortiert. Entweder man wächst an ihm oder geht an ihm zu Grunde. Auf die ein oder andere Weise. Die wenigsten der jetzt Anwesenden werden in zehn, zwanzig Jahren noch hier sein.“
Ganz sachte hoben sich die Mundwinkel.
„Möchten Sie mir erzählen wie Sie auf der Verhalten der Brujah reagiert haben?“
Das nüchterne, wich erneut dem leicht spielerischen Unterton. Für einen Moment in dem er die Toreador doch ein wenig direkter betrachtete, musterte mit einem Hauch von Neugier…