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Jenseits von Gut und Böse (Elysium, Offen)


Re: Jenseits von Gut und Böse (Elysium, Offen)

Postby Quasim ibn Sabah al-Ghazi » 17 Jul 2014, 14:01

„Hm“, machte der Setit, während er den Malkavianer nachdenklich beobachtete, und schien die verschluckten Worte mit Absicht nicht gehört zu haben. „Aus dem Nihilismus folgt ebenfalls Beliebigkeit, zumindest wenn man Nietzsche und Heidegger glaubt. Ebenso wie aus dem Determinismus. Es spielt so oder so keine Rolle, was man tut, lediglich die Gründe sind andere. Während Nihilisten, die sich ja auch gerne als Amoralisten bezeichnen, der Meinung sind, das ganze Leben, das menschliche Sein im Allgemeinen hätte keinen spezifischen Sinn und es wäre deshalb völlig irrelevant, was der Mensch an sich leistet, glauben die Deterministen, dass ihr Leben ohnehin bereits festgelegt ist und sie deshalb gar nicht mehr in der Lage sind, Entscheidungen zu treffen. Womit es sinnlos wäre, sich moralisch zu verhalten.“ Es folgte eine kurze Pause.
„Ich glaube Ihnen, wenn Sie sagen, der Nihilismus wäre Ihnen zuwider, und ich kann mich natürlich irren, doch für mich zeigen sich da schon einige Übereinstimmungen mit dieser philosophischen Richtung, jedenfalls was die Konsequenzen angeht. Auch ein Nihilist oder ein Deteminist würde sagen: Wenn es sowieso egal ist, was ich tue, warum soll ich dann nicht möglichst gut leben, auch auf Kosten anderer?“
Der Setit faltete die Hände zusammen. „Zu Ihrem anderen Punkt kann ich nur sagen: Sie mögen sich frei fühlen, doch zumindest was meine Weltanschauung angeht sind Sie es nicht, zumindest nicht solange Sie sich nicht von allen Fesseln gelöst haben, was offensichtlich nicht der Fall ist.“ Er nickte in Richtung seiner Uniform.
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Re: Jenseits von Gut und Böse (Elysium, Offen)

Postby Leopold von Schlüsselburg » 19 Jul 2014, 17:42

Der Malkavianer nickte, langsam und bedächtig.
"Sehr schön, sehr schön", lobte er, "eine hübsche Skizze des Verhältnisses. Sie haben natürlich völlig Recht: Es gibt Übereinstimmungen, sie abzustreiten wäre Unsinn. Zu ihren Argumenten käme noch die Abstreitung einer höheren, einer metaphysischen Instanz - in gewissen Rahmen, die durch unseren bedauerlichen Zustand ja etwas aufgelöst werden. Sowohl der Nihilist wie auch ich streiten ihre Existenz oder wenigstens ihre Beweisbarkeit ab."
Leopold hatte dem Setiten einen Ball zugeschoben, nur um gleich darauf etwas anderes zu behaupten.
"Im Unterschied zum Nihilisten glaube ich aber an etwas, das allgemeingültigkeit besitzt: An mich. Nicht im cartesianischen Sinne, nicht wirklich. Ich glaube an meine Freiheit, oder wenigstens an meine potentielle Freiheit, die nur von mir abhängt - nicht von irgendeinem Kerker."

"Ich sehe also", sagte Leopold gänzlich ohne Gefühl in der Stimme, "Wir haben ein Problem. Sie halten mich wegen meiner Ignoranz für gefesselt und ich Sie wegen ihrer fehlenden Ignoranz."
Er lehnte sich zurück, betrachtete das etwas jünger wirkende Monster vor sich durch das Monokel und fragte schließlich sein Paradoxon:
"Wie lösen wir diesen gordischen Knoten nun auf zivilisierte, vampyrische Weise?"
Der Mensch hat eine wahre Wollust darin, sich durch übertriebene Ansprüche zu vergewaltigen und dieses tyrannisch fordernde Etwas in seiner Seele nachher zu vergöttern.
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Re: Jenseits von Gut und Böse (Elysium, Offen)

Postby Quasim ibn Sabah al-Ghazi » 21 Jul 2014, 09:18

„Wo genau sehen Sie denn das Problem, Herr von Schlüsselburg?“, erkundgite der Setit sich in einem leichten Anflug von Verwirrung. „Zunächst einmal sollten wir festhalten, dass wir nun einmal auf unterschiedlichen Standpunkten beharren. Ich für meinen Teil glaube nicht, dass es einem von uns gelingen wird, den anderen von seinem zu überzeugen. Daher denke ich, dass wir effektiv zwei Möglichkeiten haben. Die eine wäre das Thema fallen zu lassen und uns darauf zu einigen, dass wir eben unterschiedlicher Ansicht sind, die andere wäre, nach einer gemeinsamen Basis unserer beider Weltanschauungen zu suchen. So haben wir ja schon festgestellt, dass wir beide der Meinung sind, dass moralisches Handeln keinen Sinn macht.“
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Re: Jenseits von Gut und Böse (Elysium, Offen)

Postby Leopold von Schlüsselburg » 22 Jul 2014, 19:40

"Das Problem ist", sagte Leopold mit einiger Ruhe, "dass ein Standpunkt notwendig falsch sein muss - tertium non datur. Und ich hasse falsche Standpunkte."
Wobei er so viel Gefühl, so viel zarte Zuneigung in die Ablehnung von Falschheit legte, dass die Wahrheit seiner Behauptung evident wurde.
"Ich ertrage es nicht, eine Zweideutigkeit im Raum stehen zu lassen, wissen Sie? Falsch zu liegen oder andere falsch liegen zu sehen...das sind Tantalusqualen für meine Person."
Der Malkavianer lehnte sich zurück, faltete die Hände vor dem Bauch. Und starrte in das dunkle Nichts der Ewigkeit, irgendwo seitlich des Setiten.
"Hm", brummte er, scheinbar unwillig das Thema ziehen zu lassen.
"Was hielten Sie von einem einfachen Feldtest bezüglich dieser gemeinsamen Basis?", fragte er dann.
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Re: Jenseits von Gut und Böse (Elysium, Offen)

Postby Quasim ibn Sabah al-Ghazi » 23 Jul 2014, 09:07

Quasim folgte seinen Ausführungen aufmerksam und erwiderte dann: „Da haben Sie sich aber eine schwere Bürde aufgeladen, Herr von Schlüsselburg. Immerhin liegt es doch auf der Hand, dass bestimmte Dinge niemals eindeutig geklärt werden können, etwa die Existenz Gottes oder ganz allgemein einer höheren ordnenden Instanz. Sie kann weder glaubhaft bewiesen noch wirksam widerlegt werden, womit 'tertium non datur' eben nicht zutrifft. Sie können zwar für sich der Meinung sein, dass es keine solche Instanz gibt, doch beweisen können Sie das ebenso wenig wie Kant, Sokrates oder Rousseau.“ Er gestikulierte vage mit der Hand. „Doch sprechen Sie nur weiter. Ich bin gespannt, was für eine Art von Feldversuch Sie hinsichtlich unserer gemeinsamen Basis vorschlagen.“ Der Setit hatte dem scheinbar älteren Herren seine Vorderseite zugewandt und damit seine gesamte Aufmerksamkeit geschenkt.
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Re: Jenseits von Gut und Böse (Elysium, Offen)

Postby Leopold von Schlüsselburg » 29 Jul 2014, 23:27

"Es ist die Bürde meines Blutes", sagte Leopold. Sein Ton, diese Melancholie während er seufzte, sprach Bände. Sowohl über die Schwere dieser Bürde, als auch die Profilierungssucht mit der er sie zur Schau trug.
"Bezüglich des Feldversuches...nun, es besteht ja durchaus die Möglichkeit, auch wenn sie uns beiden kaum gefällt, dass Moralität ein Sinn anbieten kann. Ich schlage also zunächst einmal lediglich vor, diese Möglichkeit auszuräumen, um den wissenschaftlichen Ansprüchen und der Gemeingültigkeit Genüge zu tun. Ist das Subjekt erst einmal entmoralisiert, können wir leicht feststellen, in welchem Maße es noch Herr seiner eigenen Sinne ist oder etwa von Instinkten beherrscht wird."
Der Uniformträger wartete einen Moment, ehe er nachdenklich hinzufügte:
"Natürlich wäre eine tiefergehende Manipulation unsererseits durch das Blut eine ungebührliche Beeinflussung des Subjekts, aber indem wir ein ordentlich auffälliges auswählen könnten wir gewisse Neutralität gewährleisten, nicht?"
Er lächelte.
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Re: Jenseits von Gut und Böse (Elysium, Offen)

Postby Quasim ibn Sabah al-Ghazi » 30 Jul 2014, 08:50

Eine kurze Weile lang schwieg auch Quasim, dann spitzten seine Lippen sich und auch auf seinen Lippen fand ein Lächeln Platz, allerdings eines, das gar seine Augen erreichte und deren Winkel in Fältchen legte. „Das klingt nach einem sehr verführerischen Vorhaben. Demoralisieren eines Menschen, um festzustellen, ob es dann ein besseres Leben führt.“ Er stieß ein kurzes, aber freudiges Lachen aus und klatschte sich in die Hände, nickte dem Malkavianer zu. „Kennen Sie zufällig ein geeignetes Subjekt?“
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Re: Jenseits von Gut und Böse (Elysium, Offen)

Postby Leopold von Schlüsselburg » 30 Jul 2014, 18:00

Der Malkavianer hob eine Augenbraue. Das "Es", diese feine Degradierung des Menschen war ihm nicht entgangen.
"Wie schön, dass Ihnen mein Vorschlag gefällt", sagte Leopold und erwiderte das Lächeln. "Oh...nicht direkt kennen, wissen Sie? Wie ich sagte, dachte ich an ein recht öffentliches Testsubjekt, um allzu offensichtliche Manipulierungsversuche in Ihre oder auch meine Denkrichtung schnell zu Tage treten zu lassen."
Nachdenklich tippte Leopold sich mit einem weißen Zeigefinger gegen das Kinn. Tapp. Tapp. Immer wieder, obwohl er wohl schon eine geraume Zeit eine bestimmte Person im Sinn hatte.
"Was halten sie von Franz Häuser? Jurist, soweit ich weiß, und damit ohnehin mit einer gewissen Disposition zur Amoral gesegnet." Und ganz nebenbei Rektor der Universität Leipzig. Irgendjemandem würde das gar nicht schmecken. Wahrscheinlich seiner Sekretärin.
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Re: Jenseits von Gut und Böse (Elysium, Offen)

Postby Quasim ibn Sabah al-Ghazi » 30 Jul 2014, 21:16

Die Schlange nickte. „Herr Häuser dann also“, sagte er und drückte somit seine Zustimmung aus. „Wie genau sollen wir vorgehen? Abwechselnd?“, erkundigte der Setit sich mit so nüchterner Stimme, als würden sie über das Wetter plaudern und nicht darüber, einen Menschen zugrunde zu richten. Nun, ob der Malkavianer wirklich wusste, worauf, besser gesagt auf wen er sich hier einließ? Quasims Lächeln war ziemlich breit. Und je breiter das Lächeln, desto schärfer das Messer!
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Re: Jenseits von Gut und Böse (Elysium, Offen)

Postby Leopold von Schlüsselburg » 04 Aug 2014, 14:11

Wohl war dem Malkavianer dabei nicht,denn er wusste wohl worauf er sich einließ. Jedenfalls hatte er eine Ahnung, musste sie haben, denn bislang hatter - wenigstens öffentlich - nicht den Hang zu Unsinnigkeiten und impulsiven Fehlern gezeigt.
"Ich sehe da ein Problem", gestand er und formulierte es nur langsam aus. Etwas zäh, fast als genieße er dieses sanfte, sich hinziehende ausbuchstabieren ebenso sehr oder sogar mehr als den tatsächlichen Akt. [b]"Nämlich wird, sofern wir uns abwechseln, die letzte Beeinflussung des armen Herrn Häuser wohl die ausschlaggebende sein, in welche Richtung er sich schließlich bewegt - also sollten Sie ihn schließlich entmoralisieren, wird er sich zwangsweise in ihre Richtung begeben. Dies stellt insofern ein Problem dar, als dass sämtliche Vorarbeit Risse in seine Maske treiben wird, die für den Erfolg insgesamt entscheidend sind, letzten Endes aber wohl kaum beachtet werden.
Ich halte es daher für das beste, wenn wir diese Angelegenheit zeitgleich angehen. Die einzige Bedingung, auf die ich selbst Wert legen möchte, ist, keine allzu auffälligen Kräfte unseres Blutes zu verwenden. Wir sind beides vernünftige Wesen und weder Sie noch Ich möchten dem Blutvogt unnötig Arbeit verschaffen."
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