Warum tue ich das überhaupt?
Eine berechtigte Frage, dachte er sich, während er die Treppen hinauf stieg, um ein weiteres Mal seinen Platz vor der Ballustrade in der oberen Wandelhalle zu finden. Es gibt hier nichts zu gewinnen und viel zu verlieren, aber andererseits: Hat derjenige den Kampf nicht bereits verloren, der gar nicht erst antritt? Die Schlange windet sich in seiner Vorstellung und offenbart die Giftzähne. Tödliche Instrumente. Zweifellos. Und doch ... was ist der Grund, das Hinz und Kunz sich hier einfinden, leere Floskeln miteinander wechseln, sich gegenseitig ein Ei an die Backe laberten, von guten Zeiten, einer vielversprechenden Zukunft und zukünftiger Zusammenarbeit faselten, wenn sich nichts änderte? Wenn alle Beteiligten später ohne neue Erkenntnisse wieder verschwanden, jedenfalls ohne solche, die nennenswert wären.
Er vermied es, die Hände auf das kühle Holz zu legen, stattdessen galt ein Blick reinster Verachtung dem Werkstoff der Wahl. Holz. Seine braunen Hände rückten in sein Blickfeld und einen Moment lang starrte er die feingliedrigen Finger an. Dann schüttelte er den Kopf und griff nach dem Spazierstock. Eine reine Vorsichtsmaßnahme, dass er den glatten Schaft nun mit beiden Händen fest umklammerte, ehe er sich zur Seite wandt und den Gang hinter der Ballustrade langsam und gemächlich hinab zu wandern begann.
Warum tue ich das überhaupt?