Ich bin in ihr...durch ihre Augen bin ich in sie geglitten und laufe, rolle, strecke mich wohlig in ihrem Dschungel...da, gleich da an dem See, der sich mir so selten offenbart und dessen Wasser süßer als Leben sein müssen...reiner als ein Kinderherz und freier als der Wind.
"Ja.." sage ich mit unbewegten Lippen in ihren Worten schwingend und schaffe es...so einfach manchmal...ich schaffe es mich aus zu blenden in diesem Kuss...unter ihren Lippen nur Gefühl zu sein...innige, weiche, vollkommene Berührung...wie die seidige Haut einer schwerelosen Hand, die sich auf den ersten Schnee ablegt und dabei jeden einzelnen Stern ertasten kann...in seiner Struktur, seiner Einzigartigkeit, seiner Flüchtigkeit. Ich bin jetzt nur ihre Berührung...nur das...doch...doch so ein Moment ist kurz und Gefühle...sie gleichen einer Welle und können ihre individuelle Gestallt nicht bewahren.
Sie nimmt ihre Lippen wieder mit und ich nehme mich wieder auf...sammle mich ebenso mühelos wie ich mich verlassen habe und lächle, so leicht, so flüchtig zu ihren verträumten Worten...zu den Worten, die mir so viel von ihr verraten...zu den Worten, die sie so fern tragen und so nah an mich dran.
"Es ist nicht richtig, das das was wir überstehen, was wir...überleben unsere Seelen stark macht. Es ist nicht richtig, das Risse und Kratzer, das Wunden und Krusten uns stärken. Ein Panzer ist keine Stärke. Kälte ist keine Stärke...doch...doch hilft das alles stark zu erscheinen...zu Bluffen...zu lügen."
Ich gleite aus ihrem Blick und lasse meine Hand ebenso der ihren Entkommen und greife mit zartem Nachdruck in die Erde und halte fest diese Hand voll Leben, die ich hoch hebe an mein Gesicht und an der ich rieche, die Luft einsaugend.
"Ich habe nicht gelernt auf diese Weise zu Bluffen. Ich hatte keine Gelegenheit dazu...war zu sehr damit beschäftigt an zu nehmen...zu verstehen...zu akzeptieren. Mir so nah. Dies war die einzige Möglichkeit zu...Sein. Und jetzt...spüre ich, wie stark mich das, was ich immer zu meiden versucht habe, erreicht, erfasst hat. Die Unterwelt in mir, meine Julia...meine wunderbare Sonne...das Tier in mir will Rache. Es will Rache für die langen...langen Jahrzehnte...es krallt sich fest und brüllt ohne Geduld...es will, das ich endlich den einen Schritt gehe, der mich in seinem Sinne weiter führen wird. Es flüstert mir zu...und das was er sagt, klingt so richtig...so wahr."
Meine Hand entlässt die Erde, lässt sie von meinen Fingern hinab fallen und mein Blick legt sich auf Julia...auf diesen fernen Dschungel voller Leben, während mein warmer Glanz sich in Schlieren verwischt...sich in dem dunklen Braun verliert.