Manchmal folgten sie Klischees, manchmal auch nicht. Manches Mal hatte er, hatte sie sicherlich etwas getan, was den gängigen Mustern entsprach, den Erwartungen in diesem Spiel. So wie sich jedes Spiel an auch noch so lockere Regeln hielt, damit man es überhaupt spielen konnte. Manches Mal waren die Züge sicherlich überraschend gewesen, komplexer als nötig. Und manchmal passte es auch überhaupt nicht in die gängigen Erwartungen. Hätte er sonst nicht wortreich beteuern müssen, dass er natürlich niemals etwas tun, würde, was sie dazu bringen würde, das hier zu bereuen, dass sie sie bei ihm in besten, liebevollen Händen wäre, statt ihr einfach zuzustimmen? Als ob er wissen könnte, was sie bereuen würde und was nicht. Hätte sie nicht warten müssen, bis er sie ansprach und er ihr an die Wäsche ging statt beides selber zu übernehmen? Aber so war es eben nicht. Und so funktionierte es doch auch recht gut, oder nicht? Und er schien sogar zuzuhören und ihre Worte ernst zu nehmen. immerhin fanden sie sich auf dem Sofa wieder und nicht gleich im Bett. Und auf dem Weg dorthin war er wieder ihren Blicken gefolgt. Ein aufmerksamer Beobachter? Echtes Interesse an ihr?
Sie saß oben, ja. Ob sie damit die Oberhand gewonnen hatte blieb fraglich. Kam wohl darauf an, was man wollte und vorhatte. Er sah zumindest gerade nicht so aus, als fühle er sich unterlegen oder sonstwie unterdrückt. Er zog stattdessen seinen ganz einen Nutzen aus dieser nur scheinbar unterlegenen Situation. immerhin konnte er sie so völlig ungestört betrachten und hatte alles Wichtige sozusagen in Reichweite. Was wollte man denn mehr? Manchmal fielen einem Frauen eben doch in den Schoß, man musste es nur geschickt genug anstellen. Für ein Kissen hatte er dabei keinerlei Bedarf, doch ihm entging auch dieses Angebot nicht.
Abgesehen davon, dass er es ablehnte, wozu brauchte er ein Kissen, wenn er sie haben konnte, schien dann doch ein kleiner Egoist an ihm verlorengegangen zu sein. Zumindest blieb er ruhig, während sie ihre Finger wandern ließ und ließ sie nach Herzenslust erkunden was sie wollte. Ob diese Geduld auch irgendwann aufgebraucht war? Oder irgendwann ziemlich nervig wurde? Oder doch nur die Ruhe vor dem Sturm? Dass er sie machen ließ war in jedem Fall nicht nur uneigennützig. Das konnte man nur glauben, solange man ihm nicht in die Augen sah, das leichte Grinsen ignorierte, den Blick, mit der er ihrer Hand folgte. Es gefiel ihm. Schlicht und einfach. Kein Kostverächter. Niemand, der die Kleinigkeiten ausließ oder sie missachtete. Sie gehörten dazu und machten all das hier erst richtig interessant. Warum also hektisch werden? Dazu war immer noch Zeit.
Er hatte ihr die Hände auf die Hüften gelegt, sobald sie sich gesetzt hatte und da waren sie auch die ganze Zeit geblieben, als wolle er sie nicht stören bei dem, was sie tat. Und nun schien er nachzudenken. Nachzudenken über ihre Frage. Hinweise abzuwägen, was sie meinen könnte. Als überlege er ernsthaft, Vorschläge zu machen. Wenn da nur nicht dieses Leuchten in den Augen wäre, das stumme Lachen, das ihn verriet. Ein großer Schauspieler war er wahrlich nicht oder wollte es nicht sein. Dann sah er hoch und grinste sie an, als habe er gerade ein paar Puzzlestücke erfolgreich zusammengesetzt. Was könnte eine Frau in dieser Situation nur wollen? Das Zwinkern dabei war kaum zu sehen.
"Hmm, ich glaube, eine Menge." Dann kam endlich Bewegung in ihn, richtete er sich aus der zurückgelehnten, bequemen Position auf, griff sich in den Nacken und zog sich sein Longsleeve über den Kopf. Es landete neben ihm auf den Sofa. Dabei vertraute er darauf, dass sie sicher genug saß oder sich schon festzuhalten wüsste. Und wenn sie schon dabei waren und so praktisch saßen, zog er sie das letzte fehlende Stück an sich, ließ sich mit ihr wieder zurücksinken und gab ihr einen Kuss, weit weniger zurückhaltend als der letzte. Sollte sie sich dem nicht verwehren würde er sie erst nach einer ganzen Weile wieder loslassen und sie ein Stück von sich schieben, so dass sie einander ansehen konnten.
"Und, war ich gut?" Die Ironie vermischte sich mit dem Schalk, der in seinen Augen stand, dem ein wenig zu übertrieben ernstem Gesichtsausdruck. Ja, war er nun gut gewesen beim Herausfinden? Was sagte die Dame dazu? Was hatte sie sehen wollen? Nackte Haut oder Initiative. Geboten hatte er beides. Da würde doch schon das Richtige dabei sein.Ansonsten machte er auch gerne einen zweiten Versuch.