Let's dance [Logan Square; Rafael & Clara; offen]


Let's dance [Logan Square; Rafael & Clara; offen]

Postby Clara de Vries » 23 Mar 2016, 14:46

Ort: American Tango Institute
Zeit: 10:00 p.m.
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Ein gewöhnlicher Abend in einer gewöhnlichen Stadt, zumindest dann wenn einem die gesellschaftlichen Verhältnisse Chicagos mittlerweile als unveränderliche Realität in Fleisch und Blut übergegangen waren. Früher berichteten die großen Nachrichtensender vom nahen Osten, Hungernot in Afrika und Bandenkriegen in Mexico. Zuerst war man entsetzt, dann verwundert, gelegentlich diskutierte man mit anderen darüber. Aber nach und nach wurden selbst diese Gräuel Alltag; viel zu weit weg und viel zu unpersönlich, als das man noch etwas dabei empfinden könnte. Die Araber hatten Öl, die Amerikaner protzten mit dem Militär und die Europäer versuchten sich in einer diplomatischen Vermittlerposition. In Chicago war es nicht anders. Die Reichen vergnügten sich in der Hochsicherheitszone der Innenstadt, feierten berauschende Fest und schwelgten in ihrem dekadenten Wohlstand, die Mittelschicht arbeitete sich den Rücken krumm und der ganze klägliche Rest, vegetierte hinter meterhohen Betonwällen in den Slums dahin. Nebenbei war ein Großteil der urbanen Gebiete zerstört und eine tödliche Seuche ging durchs Land. Das war irgendwann die Realität geworden, mit der sich der Einzelne abgefunden hatte.

Trotzdem ging das Leben weiter. Viel hatte sich verändert, vieles war gänzlich anders geworden sowohl für die Sterblichen, als auch für die Untoten, während andere Dinge nach wie vor wie ganz selbstverständlich passierten. Unbeeindruckt von Zeit und Raum. Am Wochenende ging man ins Kino, gelegentlich kaufte man sich was bei einer Fast-Food Kette und manchmal ging man auch tanzen. Ein Stück ‚Normalität‘ in einer Welt, die sich gerade erst von einer grässlichen Verkettung mehrerer Katastrophen erholt hatte. Tanzen, das war Ausdruck, Gefühl, verführerische Intensität und Körperbeherrschung in einem. Neben Taktgefühl und Liebe zur Musik, brauchte man dazu aber selbstredend auch die solide Beherrschung der richtigen Tanzschritte. Es sei denn man wollte sich wie die pubertierende Jugend mit einigen ungelenken Bewegungen in der Disko über Wasser halten. Der professionelle Tänzer hätte darüber sicher nur müde gelächelt. Clara hingegen lächelte nicht, denn sie konnte ganz offensichtlich nicht sonderlich gut tanzen aber immerhin war sie lernwillig. Anders konnte man es sich nicht erklären, das die hübsche Dame eines Nachts tatsächlich in einem luxuriösen, strahlend roten Kleid und passendem Schuhwerk, im ‚American Tango Institute‘ saß und auf ihren Privatlehrer bzw. ihre Privatlehrerin wartete. So genau war das nicht vereinbart worden, allerdings hatte sie schon telefonisch zu verstehen gegeben, dass dieses Detail recht nebensächlich für sie war.

Sehr wohl aber hatte man sich nach recht kurzer Beratschlagung dazu entschlossen, den ‚Tango-Anfängerkurs‘ zu buchen und da ihr die dazu notwendigen finanziellen Mittel offenbar großzügig zur Verfügung standen, waren es kurzerhand Privatstunden geworden. Wer wollte schon auf andere Rücksicht nehmen und wertvolle Zeit verschwenden, wenn man sich der Aufmerksamkeit seines Lehrers zu jedem Zeitpunkt sicher sein konnte? Auf jeden Fall war ihr das als durchaus sinnvoll erschienen und wer sich ihre Garderobe genau besah, hätte mit kundigem Blick zweifelsfrei festgestellt, dass sie sich mit der Frage: ‚Was trage ich bei einem Tango?‘, eingehend beschäftigt hatte. Weder Kleid noch Schuhe, kamen von der Stange sondern von einem fachkundigen Ausstatter für Tanzbedarf. Was wiederum nicht bedeutete, dass Clara sich da besonders aus kannte aber offensichtlich dennoch wusste, wie man sich ordentlich auf etwas vorbereitete. Selbst wenn sie nicht tanzen konnte und in ihrem unschlüssigen Blick, immer wieder der Zweifel lag, ob sie sich mit diesen Absätzen nicht ohnehin sämtliche Knochen brechen würde. Gehen meinetwegen aber tanzen? Ohne wirkliche Vorkenntnisse? Jeder fing einmal klein an und so entfernte sie, mangels anderer sinnvoller Betätigung, gelegentlich den einen oder anderen Fussel von ihrem Kleid und sah sich etwas nervös um. Sterbliche Frauen liebten es zu tanzen… sie würde es ganz sicher auch lieben. Ohne sich dabei zu blamieren oder hinzufallen… ganz sicher… hoffentlich… wahrscheinlich… bitte…
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Re: Let's dance [Logan Square; Rafael & Clara; offen]

Postby Rafael » 24 Mar 2016, 01:18

Das Wetter wird lauer, der Frühling kommt bald. Dass heißt aber auch, der Sommer naht, kurze Nächte, weniger Zeit für das Tanzen. Aber so ist das eben, ewiges Leben kann nicht nur Vorteile haben, sonst gäbe es ja nichts zum sich Aufregen.

Er bekommt ein Klemmbrett, auf dem die wichtigsten Daten für heute Abend notiert sind. Wie vielen Leuten ist es vergönnt, für ihr Vergnügen bezahlt zu werden? Kurz lässt er die Blicke durch das Büro der Chefin gleiten. Sie ist wie immer schwer beschäftigt, aber es ist gut so; das heißt, das Geschäft läuft offensichtlich gut genug, um die Öffnungszeiten beizubehalten. Es hat lange genug gedauert, eine Möglichkeit zu finden, eine nutzbare profihafte und offizielle Tanzmöglichkeit zu finden.

Anfängerin, Privatstunden. Der Name sagt ihm nichts, aber das ist auch nicht wichtig. Er ist gespannt auf die Dame; es ist völlig unwichtig, wie sie aussieht, ob sie schon tanzen kann oder völlig ungelenk ist - wenn sie es will, kann sie es schaffen. Es ist, wie so vieles, eine Frage der Übung. Und Übung erlangt man durch Motivation. Er ist gespannt, wie sich diese Dame motivieren lässt.

"Der Blakely-Saal ist heute ungenutzt; ich habe ein paar Raumteiler nach oben bringen lassen, dann wirkt ihr nicht so verloren da oben. Benötigst du sonst noch etwas?", fragt Maria ihn.


"Nur ein Tablet, damit ich eine gute Musikauswahl habe. Kann ich das rote wieder bekommen, da ist die größte Bandbreite drauf."

"Das rote, das habe ich mir schon gedacht. Vivienne wollte es neu bestücken, aber ich habe ihr gesagt, sie soll das mit dir ausmachen. Ich denke, sie hat nur ein paar wenige neue Stücke drauf gespeichert."

Maria angelt das rote Gerät aus einem Sideboard; es ist mehrfach angestoßen, aber er mag es einfach. Es ist robust, hat einen großen Speicher und einen hervorragenden Musikchip. So etwas wird heutzutage gar nicht mehr hergestellt, auch wenn das WLAN gar nicht mehr nutzbar ist. Aber Kabel sind jetzt auch nicht das Schlechteste auf der Welt.


"Vielen Dank, Maria. Hmm, der zweite Termin heute, bist das du?"

"Schließlich muss ich ja überpüfen, ob du nicht eingerostet bist, nicht wahr? Außerdem fält Karl diese Woche aus und ich habe meinem Kurs zugesagt, heute neue Figuren zu demonstrieren."

Sie nimmt mit einem Lächeln die Schärfe aus ihren Worte, etwas zumindest. Seit sie hier Chefin ist, weht ein etwas strengeres Regiment durch die Schule, aber sie prosperiert auch.


"Das heißt, ich darf dir heute kein Bein stellen?"

Sie übergeht die Antwort, natürlich tut sie das. Er macht sich ein paar Notizen auf ein kleines Blatt und lässt das Klemmbrett liegen. Ein furchtbares Accessoire, so industriell. Mit einem Nicken verabschiedet er sich von der Leiterin und fasst in Gedanken kurz die grundsätzlichen Informationen zusammen.



In einem kleinen Wartebereich läuft leise Musik. Schon wenige Takte reichn ihm, um Santa Maria zu erkennen. Die Franzosen waren gar nicht mal so schlecht. Er hatte in der Vergangenheit eine akustische Version von ihnen gehört, seitdem nutzte er auch einige ihrer elektronischen Stücke.

Da sitzt sie, alleine. Im Näherkommen mustert er kurz ihre Kleidung, ihren Körper im Profil. Auf den ersten Blick sieht er keine Probleme, außer vielleicht, dass sie es zu sehr möchte und zu ungestüm angeht. Aber das würde ja schnell offenbar werden und ist beherrschbar.

Er selber gehört nicht zu den Männern, die im halb geöffneten Hemd versuchten, möglichst archaisch zu erscheinen; ein guter Dreiteiler war einfach die bessere Wahl für ihn, vielleicht ab und an eine abgelegte Jacke, aber das reicht dann schon.

Er legt das Tablet auf einem kleinen Tischchen ab. Als sie sich ihm zuwendet, kommt ihm das Gesicht bekannt vor. Er muss nicht lange in seinem Gedächtnis kramen - sie war die Gesprächspartnerin von Elias. Er überlegt kurz, aber namentlich wurde sie nicht erwähnt, es ging hauptsächlich um seine eigene Tanzpartnerin. Diese Dame hat er allerdings nicht tanzen sehen.

Nichtsdestotrotz wird sie eine klassische Begrüßung erhalten; gerne mit Handkuss, die modernen Frauen waren überraschend ungeübt darin, aber im Notfall konnte man so etwas immer überspielen.


"Guten Abend, gnädige Frau. Mein Name ist Rafael und ich habe das Vergnügen, Ihr Tanzlehrer zu sein."
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Re: Let's dance [Logan Square; Rafael & Clara; offen]

Postby Clara de Vries » 07 Apr 2016, 21:41

Ja ihr Profil wusste schon zu überzeugen. Da waren schlanke Beine, die in diesen einzig dem Zwecke des Tangotanzens dienenden hochhackigen Schuhen saßen und ein figurbetonendes Kleid, das in seinem leuchtenden Rot ein gewisses, möglicherweise südlich-heißes Temperament versprechen wollte. Ob die Dame da vor ihm jedoch ein deartiges Temperament besaß, war allein äußerlich nicht feststellbar. Das war ja auch Teil dieser spannenenden Überraschungen, die beim ersten Kennenlernen passierten. Wer war das da wirklich, dem man gegenüberstand? Fordernde Verführerin? Eingebildete Neureiche? Arrogantes Managertöchterchen? Vernachlässigte Ehefrau eines Konzernmagnaten oder scheues Mauerblümchen? Hübsch genug war sie für jede Rolle, die man ihr gerne zugestehen wollte, nicht zuletzt wegen dem kunstvoll drapierten, kastanienbraunen Haaren, den feingliedrigen Fingern mit den manikürten Nägeln und diesen verstohlen in sich hineinlächelnden Lippen, auf die im Übrigen ebenfalls ein sündiges Rot aufgetragen worden war. Noch saß sie tatsächlich einfach nur da und hielt genügsam abwartend die Beine überschlagen und mochte wahrhaftig ein wenig so wirken, als gäbe es gerade nichts was sie mehr wollen würde... Tango tanzen natürlich. Dafür hatte sie ihn ja schließlich gebucht.

Als er sich ihr näherte, erhob sie sich aus ihrer wartenden Position und reichte ihm freundlich lächelnd die Hand; musterte nun ihrerseits sein Erscheinungsbild. Er gefällt ihr oder anders ausgedrückt: Das was sie gerade zu sehen bekommt, entspricht ihren Erwartungen an einen Tanzlehrer... optisch natürlich; technisch konnte man ja noch gar keine Aussage treffen. Ein tadelloses Auftreten und höfliche Umgangsformen, rundeten seine formvollendete Begrüßung ab und ja... auch in ihr Gesicht mischt sich die plötzliche Verwunderung, die allmählich einer perplexen Erkenntnis weicht: Sie kennt ihn ebenfalls. Vom Sehen her zumindest. Der Mann der mit der Diva tanzt und diese nicht zuletzt vor einer schrecklichen Blamage bewahrte. Der letzte verbliebene Gentlemen in dieser trostlosen Aneinanderreihung von Häuserschluchten, die manche gerne 'Chicago' nannten. Nicht zuletzt ist es auch dieses Wiedererkennen, das ihre Lippen noch eine Spur weiter nach oben gleiten lässt. Der Handkuss, schmeichelte ihr sichtlich und sie fühlte sich zu einem kleinen Knicks genötigt.

"Weit gefehlt, es ist mir ein Vergnügen sie kennenlernen zu dürfen Rafael. Clara de Vries aber sie dürfen mich ruhig Clara nennen. Nun, nach diesem Abend werde sie mich ohnehin nur als die linkische Tanzschülerin kennen, die ihnen die Füße platt getreten hat." Ein verhaltenes Lachen ertönte, glockenhell und sympathisch. "Verzeihen sie meine Direktheit aber ich glaube sie bereits einmal gesehen zu haben, persönlich hatten wir leider noch nicht das Vergnügen. Haben sie denn nicht auf dem 20er Jahre Ball, mit Miss Dampierre getanzt? Was ich mich erinnern kann, haben sie im gleichen Atemzug nicht nur getanzt, sondern die Dame auch vor einer bodenlosen Blamage in der Öffentlichkeit bewahrt. Nicht auszudenken was passiert wäre wenn sie nicht gewesen wären. Die Lady hatte wirklich ungeheuerliches Glück einen so versierten Tänzer an ihrer Seite zu wissen. Wahrhaftig der Retter in der Not."
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Re: Let's dance [Logan Square; Rafael & Clara; offen]

Postby Rafael » 07 Apr 2016, 22:36

Ihr Mienenspiel könnte der Auftakt zu einer besseren Tanzstunde sein, als es manchmal vorkommt, wenn jemand Gelangweiltes beschließt, jetzt sofort Tango zu erlernen und zwei Wochen später etwas anderes sofort zu lernen. Was für ein Glück. Und beweglich scheint sie auch, also macht er sich wenig Sorgen um seine Füße. Es ist ihm ein Leichtes, in ihr Lachen mit einzustimmen.

Bei ihrer Lobeshymne hebt er abwehrend leicht eine Hand und deutet ein Kopfschütteln an. Mit einem Lächeln erklärt er die Situation aus seiner Sicht.


"Zu viel der Ehre. Die Kapelle hatte einen sehr kurzen Takt angespielt. A propos Miss Dampierre, haben Sie sie seitdem wieder gesehen? Bei einer anderen Gelegenheit hatte sich Elias, Ihr Gesprächspartner auf dieser Festivität, nach ihr erkundigt."

Er nutzt diese Frage und die Antwort darauf, um das rote Tablet wieder an sich zu nehmen und bietet ihr den Arm an.

"Wollen wir uns auf dem Weg in den Tanzsaal weiter unterhalten? Schließlich möchte ich meiner Chefin und auch Ihnen den Beweis erbringen, dass ich tatsächlich nicht nur tanzen kann, sondern Ihnen auch zu helfen vermag, ebenfalls mehr als nur einen Grundschritt darzubieten.

Clara, hätten Sie etwas dagegen, in das Du überzuwechseln? Es ist Sitte unter Tangueros, sich zu duzen und ich bin der Meinung, es erleichtert das Tanzen ungemein. Sofern man überhaupt reden muss."
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Re: Let's dance [Logan Square; Rafael & Clara; offen]

Postby Clara de Vries » 08 Apr 2016, 11:01

Die Sache mit den Füßen, beschäftigte sie insgeheim wohl tatsächlich. Da ging es wie bereits humorvoll von ihr angesprochen, natürlich auch um die Füße ihres Tanzlehrers aber nicht zuletzt auch um ihre eigenen. Mit Absätzen zu gehen musste man lernen, mit Absätzen zu laufen war schon schwieriger; sich im Takt zu ekstatischer Musik zu drehen und zu bewegen, dann noch einmal eine gänzlich andere Herausforderung. Gerade wenn man sich jetzt nicht wie andere Enthusiasten jeden Abend frohlockend aufs Parkett wagte, weil einem das eigene Unvermögen viel zu peinlich war. Ein Glück das Tango nicht besonders wild und schnell getanzt wurde. Das war zumindest die Vorstellung, die sie darüber hatte.

Sich an seinem Arm einhakend, lässt sie sich von ihm ohne großes Aufheben in den Tanzsaal führen und siehe da: Die Absätze scheinen doch kein so großes Problem zu sein. Schritt für Schritt ertönt das so typische Geräusch der hohen Schuhe auf ihrem gemeinsamen Weg, während sie selbst hingegen nur gemächlich den Kopf schüttelt, als er seine eigenen Leistungen ein wenig zu entwerten sucht. Die Dame hat da offensichtlich ganz andere Vorstellungen bezüglich der respektablen Anerkennung von beachtenswerten Taten.

"Sie verkennen die Lage, in der sich Miss Dampierre befand. Ihr war es offenkundig wichtig, den einflussreichen Größen der Stadt ein makelloses Bild von sich zu präsentieren und wollte nicht zuletzt auch auf der Veranstaltung mit einem leidenschaftlichen Tanz brillieren. Ein Akt, der ihre noble und ästhetische Persönlichkeit unterstreichen sollte, Bewunderung abverlangt hätte und ihr die Aufmerksamkeit eines wichtigen Publikums zugesichert hätte." Sachte tätschelte sie seinen Arm und lächelte ihm von der Seite zwinkernd zu.

"Genau wie ich wissen sie, dass eine solche Begebenheit den eigenen Ruf und das Bild, welches die Gesellschaft von einem dadurch gewinnt, noch auf Jahre hinweg immens verbesseren oder nachhaltig zerstören kann. Unterschätzen sie dieses kleine tänzerische Intermezzo nicht Rafael. Wenn sie nicht gewesen wären, würden wir uns selbst jetzt noch über Miss Dampierres schrecklichen Auftritt unterhalten und nicht darüber, wie glanzvoll sie die Situation meisterten." Erneut zwinkerte sie ihm vielsagend zu. Man trug seine Leistungen nicht wie glänzende Orden sondern gab sich höflich bescheiden aber Ehre wem Ehre gebührt.

"Miss Dampierre?..." Ihre Stimme klang verwundert fragend, während sie weiter durch das Tango Institute schritten und auf den Tanzsaal zuhielten. "Nein bedauerlicherweise habe ich seit jenem Abend nichts mehr von ihr gehört. Es kann gut sein, das sie sich aufgrund ihres eher kargen Auftrittes schämt und bereits akribisch an einem Vergeltungsfeldzug arbeitet. Möglicherweise plant sie auch schon ein weiteres Event, das die letzte Party sogar noch in den Schatten stellt. Ich traue der Dame beides zu und auch beides zugleich." Ihre Mundwinkel verzogen sich zu einem recht breiten Grinsen... das etwas nachzlassen schien, als Rafael Elias erwähnte. "Ach hat er das?" Ihr Tonfall klang eine Spur ernüchtert, so als ob die Erwähnung seines Namens ihr nicht recht Freude bereiten wollte, so sehr sie sich auch darum bemühte. Schlussendlich schüttelte sie abermals den Kopf. "Nein, ich weiß leider nichts über Miss Dampierre zu berichten aber wenn die Grande Dame ein plötzliches Ende ereilt hätte, würden wir sicher davon erfahren meinen sie nicht?" Nach wie vor lächelnd fügte sie dann kurzer Hand hinzu: "Bitte richten sie Elias meine besten Grüße aus falls sie ihn sehen sollten und teilen sie ihm mit, das ich mich schon sehr auf ein baldiges Wiedersehen mit ihm freue. Wenn es ihm möglich ist, soll er mir doch bitte bei dieser Gelegenheit die klitzekleine Kleinigkeit wieder mitbringen, die ich scheinbar in der Brusttasche seines Sakkos vergessen habe - ich hätte es gerne wieder." Dann sah sie ihn mit großen, erstaunten Augen an, geradewegs so, als hätte er ihr gerade ein jahrzehntelang gehütetes Geheimnis enthüllt, dessen Trageweite ungeahnte Ausmaße annehmen könnte. Ihre Mimik schien regelrecht zu strahlen, als er ihr das 'Du' so ganz unvermittelt anbot. Damit hatte sie bestimmt nicht so bald gerechnet; umso mehr fand sie nahezu überschwänglichen Gefallen daran.

"Meine Güte Rafael... vielen, vielen Dank", wiederholte sie sich mehrmalig. "Wir können nicht nur zum 'Du' überwechseln, wir müssen regelrecht! Es ist dermaßen erstaunlich für mich, das aus deinem Mund zu hören. Jahrelang versuche dieser ganzen, steifen Ansammlung aus arroganten Hofsitten entgegenzuwirken und werde immer mit einem distanzierten 'Sie' abgespeist. Bisweilen ernte ich sogar noch vielsagende Blicke. Wer hätte das für möglich gehalten? Da buche ich einen Tango-Grundkurs und wir sind schlagartig beim Du angekommen. Ich glaube ich muss diesen Sonntag tatsächlich noch eine Kerze in der Abendmesse entzünden. Du lässt mich wieder an etwas glauben Rafael." Und es klang wirklich nicht gespielt sondern durchaus erleichtert und ernst. Als ob ihr gerade ein Stein vom Herzen gefallen wäre.

"Ich bin zwar ganz sicher noch nicht einmal ansatzweise eine Tanguera aber ein ehrliches Du bedeutet mir in der Tat sehr viel. Und was das Reden betrifft... ich habe eine sehr flinke Zunge und geübte Hände, da liegt meine eigentliche Stärke." Und ja da sah sie ihn besonders frech grinsend an, denn die Interpretation dieser Aussage lag allein bei ihm. "An der Beinarbeit werden wir aber sicher noch arbeiten müssen. Du scheinst deine Leidenschaften wirklich zu lieben und zu genießen, nur wer etwas mit Leidenschaft tut, der wird auch gut. Dahingehend habe ich bei dir überhaupt keine Bedenken und nur damit wir da noch ein kleines Detail schon bereits jetzt geklärt haben..." Sie sah sich etwas misstrauisch um und senkte dann sowohl den Kopf, als auch ihre Stimme.

"Ich gehe wohl recht in der Annahme, das wir beide vorzugsweise nachts unterwegs sind und selbst das üppigste Festbankett uns nicht sättigen könnte?" Eine Anspielung; worauf dürfte ihm wohl durchaus klar sein.
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Re: Let's dance [Logan Square; Rafael & Clara; offen]

Postby Rafael » 10 Apr 2016, 22:45

Er sieht sie auf ihre letzte Frage hin etwas überrascht an, als wisse er tatsächlich nicht, auf was sie hinaus möchte. Seine rosige Haut und seine Körperwärme lassen sicherlich auch andere Rückschlüsse zu.

Gerade möchte er diesbezüglich wohl eine irritierte Frage stellen, als, von den Augenwinkeln aus beginnend, seine Fassade der Ahnungslosigkeit schnell zu bröckeln beginnt und sich in einem breiten Grinsen auflöst.


"Wenn ich auf diese Frage vorbereitet gewesen wäre, hätte ich vielleicht etwas überzeugter den Verständnislosen geben können, aber naja, mir ist nun nicht alles in die Wiege gelegt worden.

Tatsächlich gehe ich davon aus, das wir beide eine ähnliche Diät bevorzugen. Meine ist recht speziell gehalten, aber nichtsdestotrotz vergleichbar, möchte ich meinen."


Er sieht kurz um die nächste Ecke, bevor er weiter spricht. Das Ganze kommt eher verschwörerisch aus seinem Mund als streng oder belehrend.

"Grundsätzlich wäre es mir lieb, wenn die Chefin des Hauses keinen Grund zur Sorge hat, es ist das einzig mir bekannte Institut dieser Art mit so genehmen Öffnungszeiten. Wenn die Kundschaft aus Erschöpfung nicht mehr kommen kann, würde sich das wohl negativ auf ihr Engagement auswirken. Wobei es hier in der Nähe einen Club gibt, in dem man ganz entspannt eine Stärkung zu sich nehmen kann."

Aus dem unteren Saal schallt Musik, einige wenige Anweisungen sind zu hören, dann sind sie schon wieder außer Hörweite.

"Die geübten Hände können wir sicherlich bei einigen Figuren gewinnbringend einsetzen, aber wir werden tatsächlich mit der Beinarbeit beginnen. Die Schuhe sind gut ausgewählt, aber ich hoffe, du hast noch etwas Bequemeres dabei. Gewöhnlich sind ein bis zwei Stunden für die meisten Frauen mehr als genug, gerade am Anfang. Was die flinke Zunge angeht,"

hier grinst er kurz,

"manches erklärt man einfacher mit Worten, anderes einfacher durch das Tun."



Als sie im oberen Saal ankommen, der einen guten Teil des Stockwerks einnimmt, hält er kurz die Hand an die Lichtschalter, dann lässt er die Sparbeleuchtung doch vor sich hin funzeln. Im dämmrigen Licht wirken die Bilder an den Wänden besonders stimmig, als hätte man man immer wieder kurze Eindrücke in alte, vielleicht verrauchte, Kneipen, in denen Paare sich dem Tango hingeben. Rechts vom Portal sind ein paar Stellwände zu sehen, auf die sie sich zu bewegen.

"Gerade für den Anfang ist es eher unwichtig, dass wir den ganzen Saal betanzen; das verleitet nur zu schnellen und großen Schritten, bei denen wir uns weniger auf den Rhythmus konzentrieren würden. Als Musik nehmen wir für den Anfang die etwas klassischeren Stücke, vielleicht den einen oder anderen Ausreißer. Hast du ein bestimmtes Lied, zu dem du in der nächsten Zeit tanzen möchtest?"

Er geleitet sie mit einer Hand galant an die Vorderseite eines Mischpultes und umrundet dann selbiges, um sein Tablet anzuschließen. Einige Male berührt er den Bildschirm, dann erfüllen die ersten Takte eines Tangos den Saal.

Um das Pult wieder herum kommend hält er einladend eine Hand in ihre Richtung.


"Hast du schon einmal getanzt?"
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Re: Let's dance [Logan Square; Rafael & Clara; offen]

Postby Clara de Vries » 11 Apr 2016, 18:52

Mit einem verständnisvollen Lächeln, tätschelt sie leicht seinen Arm und bewegt sachte den Kopf, wie um ihn zu beruhigen. „Aber nicht doch, du hast dir rein gar nichts vorzuwerfen mein Lieber. Deine Haut hat eine sehr lebendige Farbe und die Wärme deines Körpers, ist für mich selbst durch den Stoff deiner tadellosen Garderobe spürbar. Du hast dich durch nichts verraten oder unfreiwillig zu erkennen gegeben. Ich zog diese Möglichkeit nur in Betracht, weil du mit Miss Dampierre getanzt und sie damit gerettet hast. Die Dame beweist meines Erachtens nach ein großes Geschick, wenn es darum geht sich mit Ihresgleichen zu umgeben. Und ich versichere dir: Jemand Geringeres oder gar Sterbliches, hätte diesen Tanz gar nicht mit ihr beginnen dürfen. So gesehen habe ich nur ein wenig kombiniert, der Rest war schieres Glück. Genauso gut, hätte nun ich diejenige sein können, die dir gegenüber Erklärungsbedarf hat.“ Eine erneut sanfte Berührung seines Armes, bemüht sich darum seine letzten Zweifel zu zerstreuen. „Wie gut dass wir diese kleine, doch nicht zu verachtende Formalität geklärt haben. Vielleicht möchtest du mir ja eines Nachts erzählen, welche Art von erlesener Delikatesse du bevorzugst.“ Und gerade weil seine Körpertemperatur auf ein angenehmes und nur allzu menschliches Niveau gehoben worden war, würde er unleugbar feststellen müssen, wie kalt ihre Hände im Gegenzug wären. Kalt wie der Tod. „Hoffentlich bist du kein Kannibale“, fügt sie mit einem leicht entschärfenden Lachen hinzu.

„Mach dir keine Sorgen, ich weiß mich zu benehmen und habe gut gegessen. Ich wäre untröstlich, wenn du wegen mir deiner Leidenschaft in diesem ansprechenden Ambiente nicht mehr frönen könntest. Dieses Institut ist streng genommen deine Domäne und diese werde ich achten.“ Bekräftigend nickt sie und wandte leicht den Kopf in Richtung der Musik; versucht die gedämpften, mit Musik übertönten Stimmen zu verstehen. Schmunzelnd richtet sie ihre Aufmerksamkeit wieder auf ihren Begleiter, als sie die Treppe zum oberen Saal erreichen. „Ich bin zwar in vielen Bereichen nur eine stümperhafte Dilettantin aber ich bemühe mich immer um eine adäquate und hochwertige Ausstattung. Bei den Schuhen, habe ich mich lange beraten lassen aber ich kann mir gut vorstellen, das mehr als zwei Stunden konzentrierter Tanz, etwas viel für den Anfang wären. Ein Abend mit diesen Absätzen…“ Ein Seufzen entfährt ihren vollen Lippen, „… ist tatsächlich für jede Frau mehr als genug. Die Männer machen sich da ja keine Vorstellung.“ Mit ihrer freien Hand, macht sie eine wegwerfende Bewegung und lacht erneut auf. Ein sympathisches, helles Lachen, dem man die Vorfreude auf ihre erste gemeinsame Tanzstunde mit ihm, ganz klar entnehmen kann. „Lieb von dir auch daran zu denken; ich habe einen ganzen Satz Wechselkleidung samt Schuhen in meinem Spind verstaut.“

Manche Dinge erklären sich wohl tatsächlich leichter durch das Setzen einer Handlung und gerade wenn es um Musik und Tanz ging, war vielleicht das eigene, zarte Gespür und Gefühl ausschlaggebend. So schweigt sie nur versonnen lächelnd, als er sich zu ihrer flinken Zunge äußert und sie gemeinsam durch die Saaltüren schreiten. Ihre grünen Augen wandern verzückt über das ansprechende Interieur und die stimmig beleuchteten Bilder an den Wänden. Man hätte gut und gerne glauben wollen, dass die ausdrucksstarke Energie eines leidenschaftlichen Tangos sich in den Wänden verewigt hätte. Sie folgt ihm zu den Stellwenden und nickt lernwillig, obwohl man vielleicht eine langsam beginnende Nervosität in ihrer Körperhaltung erkennen könnte. Hoffentlich blamiert sie sich nicht allzu sehr. Die Musik die er anspielt, lässt sie sich dann schlussendlich wieder ein Stück weit entspannen. Ihre Augenlieder schließen sich sachte und fast möchte man meinen, dass sie in irgendeiner alten Erinnerung schwelgt, die sie mit sinnlicher Freude erfüllt. Ein Balsam für hektische Gemüter. Als sich ihre Augen wieder öffnen und er ihr seine Hand einladend hinhält, zaubert sich ein wahrhaft strahlendes Lächeln auf ihr Gesicht. Sie genießt es. Die Musik, diesen Raum, ihn, ihr Kleid, ja selbst die hohen Schuhe, die irgendwann schmerzende Füße bereiten würden. Es war so erfrischend normal, so gewöhnlich. Eine sterbliche Frau, die mit einem sterblichen Mann Tango tanzen würde. Ein normales Leben. Wie weit hatte sie sich nur mittlerweile davon entfernt? Kaum jemand machte sich eine Vorstellung darüber.

„Ich habe da einen Tango den ich irgendwann gerne tanzen würde aber das Stück ist ein wenig… wie soll ich sagen? Plakativ und kommerzialisiert. Trotzdem würde ich gerne irgendwann einmal dazu tanzen können. Gut tanzen. So tanzen das jede Faser meines Körpers und auch das Publikum selbst, jede einzelne Note tief in sich aufnimmt. Ästhetik, Harmonie und fließende Bewegungen. Einfach ein schöner Tanz.“ Sie lächelte und ergriff ohne Zögern seine Hand.

„Mein letzter Kurs oder der letzte Tanz im Allgemeinen, liegen schon ein einige Jährchen zurück. Ich habe die Standarttänze natürlich irgendwann gelernt aber wenn man kaum zum Üben kommt, geht eine Menge verloren. Du wirst äußerst nachsichtig mit mir sein müssen.“ Clara schenkt ihm ein verschmitztes Lächeln und stößt sich mit einem Bein vom Parkett ab; zieht sich gleichzeitig an seiner Hand an ihn heran um dann abrupt in der Tango-Grundstellung zu verharren. Da war jemand voll leidenschaftlichem Tatendrang.
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Re: Let's dance [Logan Square; Rafael & Clara; offen]

Postby Rafael » 12 Apr 2016, 20:20

"Nachsicht? Das wird, denke ich, nicht nötig sein. Wenn wir einen Fehler machen, tanzen wir einfach weiter; nicht so wie im Leben, wo ein Fehler manchmal wirklich verheerende Auswirkungen haben kann.

Beim Tango geht es um vieles. Aber das wichtigste für heute soll eines sein: Haltung. Zuerst wollen wir den Takt aufnehmen, dann - gehen wir."


Er tritt auf der Stelle, im Takt wechselt er seine Belastung von einer Seite auf die andere. Kein Drücken, kein Zerren an ihr, er wartet einfach, bis sie ebenfalls den gleichen Takt aufgenommen hat. Das dauert nie lange. Dann neigt er seinen Oberkörper etwas vor, so dass sie gar nicht umhin kommt, zurückzuweichen - im Takt.

Ehe sie sich's versieht, nutzen sie den abgesperrten Raum aus, drehen Kurven, halten manchmal an, um wieder los zu gehen. Er ist dabei nicht dominant, aber bestimmt, zeigt ihr unmissverständlich nur durch Drehungen und Neigungen des Oberkörpers, wohin sie sich bewegen soll.
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Re: Let's dance [Logan Square; Rafael & Clara; offen]

Postby Clara de Vries » 13 Apr 2016, 18:05

Die Dame schmunzelt leicht amüsiert und nickt ihm dann respektvoll zu. Offenbar eine Ehrerbietung und Anerkennung seiner weisen Worte, die sie nicht nur uneingeschränkt bestätigen kann, sondern darüber hinaus tatsächlich eine gewisse Anspannung von ihr nehmen. Man merkt es an ihrer Haltung und Körperspannung. War diese noch zunächst etwas verkrampft und unsicher, scheint sie sich durch seine Bemerkung nun etwas gelöst zu haben. „Ein beruhigendes Gefühl zu wissen, dass man hinfallen kann und trotzdem wieder aufzustehen vermag, ohne irgendwelche hasserfüllten Tritte abzubekommen, die einen noch tiefer in den Staub befördern. Versuchen wir uns an der Haltung, einverstanden.“

Tatsächlich dauert es gar nicht so lange, wie sie selbst zuvor noch angenommen hatte und der Takt scheint beinahe längst vergessene Bewegungsmuster wieder ins Gedächtnis zu rufen. Hilfreich ist nicht zuletzt auch seine versierte und erfahrene Führung, die er ohne sie zu drängen oder gar zu viel von ihr zu verlangen, wie selbstverständlich übernimmt. Anfängliche Schwierigkeiten ihrerseits, gleicht er gekonnt aus oder führt gelegentliche Fehltritte, wieder in das altbekannte Muster über, damit sie sich beide in fließenden, geschmeidigen Bewegungen weiterbewegen konnten. Hin und wieder erhascht er einen Blick auf ihr Gesicht, in dem manchmal der Ärger über ihre eigene Unzulänglichkeit geschrieben steht aber je entspannter sie wird und sich völlig seiner erfahrenen Führung ergibt, desto leichter fällt es ihr und desto besser sehen ihre ersten, gemeinsamen Gehversuche auf dem Parkett aus.

Das führt sogar dazu, dass sie nach einiger Zeit der Übung und ein paar schwungvolle Kurven im abgesperrten Bereich, den Oberkörper näher an den seinen heranführt. Schlussendlich sind sie sich gefährlich nahe; zwei Raubtiere bei ihrem ersten, gemeinsamen Tanz, der an diesem Abend tatsächlich nur ein Tango ist und darüber hinaus, keine Konsequenzen nach sich zieht. „Mmh… Tango, eine rasiermesserscharfe Sehnsucht und sinnliche Versuchung. Ästhetischer Genuss für die Sinne und verlangende Hingabe“, schnurrt sie dann zufrieden wie eine Katze. „Wo hast du tanzen gelernt Rafael? War deine Leidenschaft für den Tango ausschlaggebend für deinen Kuss?“ Und er würde seltsamerweise recht bald merken, dass sie sich bei diesen Fragestellungen, nicht so sehr auf die folgende Antwort konzentrierte, sondern vielmehr auf seine Reaktion bezüglich ihrer sukzessiven Annäherung. Eine Art ‚Test‘ womöglich, der Aufschluss gibt über… ja, das blieb fraglich.
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Re: Let's dance [Logan Square; Rafael & Clara; offen]

Postby Rafael » 13 Apr 2016, 21:11

Richtungswechsel, auch das Vor- und Zurückgehen, funktionieren; das Ganze lässt sich gut an. Eine Überlastung am ersten Abend ist nicht wünschenswert, aber sich auf einen Grundschritt zu beschränken ist Rafaels Sache nicht.

Es folgt eine Erweiterung des Zurückschreitens, indem er nur mit einer Schulterdrehung seine Partnerin an sich vorbei führt. Beide Körper sollen immer zueinander zeigen, die Bewegung findet meistenteils von der Hüfte abwärts statt, die Hände dienen nur dem Halten, nicht der Kommunikation.

Vor körperlicher Nähe schreckt er jedenfalls nicht zurück. Er umfasst sie mal fester, um ihr Halt zu geben, mal öffnet er ihre Position, um Schritte zu vereinfachen oder zu erklären. Nach dem zweiten Tango hält er kurz inne, um sich ihrer Frage zu widmen.


"Tatsächlich war mir vor meinem Kuss der Tango bereits bekannt; auch haben die beiden nichts miteinander zu tun. Ich möchte mich allerdings nicht beschweren. Es ist von Vorteil, wenn einem mehr Übungszeit gestattet wird, als es einem Menschenleben überhaupt möglich ist. Wobei damit natürlich auch eine gewisse Motivation einhergeht."

Er nutzt die weite Stellung, um sie zum 'Corté' anzuleiten, zum 'Valentino'; alles Bewegungen, für die sie Halt benötigt und die sie in einer engen Umarmung gut durchführen können. Er scheint sich seiner Sache sicher zu sein, er zeigt weder Zurückhaltung noch übermäßige Vorsicht im Umgang mit Clara. Nach kurzer Zeit wird das Repertoire um Promenaden ergänzt. Dann beginnt die Übungsphase...

"Der Vorteil an uns beiden ist, dass wir eher nicht außer Atem geraten werden - insofern würde ich auf Pausen verzichten wollen, wenn du gestattest. Aber wir können gerne ein Pause machen, um ein Gespräch zu führen. Allerdings erst, wenn die nächsten zwei oder drei Lieder fertig sind, würde ich vorschlagen.

Insgesamt bewegen sich die beiden Körper um ein gemeinsames Zentrum und es dauert wohl nicht lange, bis sie in einen Dialog eintreten können. Die Figuren, die sie tanzen, sind einfach, die Variationen begrenzt. Aber es ist bereits Tango, zumindest streckenweise.

Das Ideal ist erkennbar: Er führt, sie folgt; er gibt ihr Raum, sie antwortet. Er darf kein Zögern zeigen, sie muss sich auf ihn verlassen, auf ihn reagieren, aber innerhalb seiner Führung hat sie Freiheit. Improvisation.
Der Tango kommt aus den Slums, nicht vom Parkett. Wenn man das nicht mehr sieht oder spürt, dann ist er tot.
Carmen Calderón
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Rafael
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