Frozen [Mittelschicht – West Town; Clara/Munir/Offen]


Re: Frozen [Mittelschicht – West Town; Clara/Munir/Offen]

Postby Clara de Vries » 24 Apr 2016, 11:32

Claras Reaktionen kamen etwas verhalten, bestanden lediglich aus einem amüsierten Lächeln, das sich über die weiterhin abwartende Schieflage ihres Kopfes gelegt hatte. Sie ließ ihn den dritten Satz in ihrem gemeinsamen Spiel gewinnen – Matchball sozusagen. Nicht das sie es nicht mögen würde, nein. Es verging keine Nacht in der sie diesen, von ihr postulierten, zauberhaften Charme und Esprit nicht mit großem Vergnügen in ihre Gespräche verwob aber gerade in diesem Augenblick, entstand bei ihr allmählich der Verdacht, die Ernsthaftigkeit in ihrer Kommunikation würde gänzlich verloren gehen. Das war niemals ihre Intention gewesen. Heiterkeit und aufgelockerte Stimmung; so sollte man sich über die Schwermut ernster und komplexer Thematiken retten aber mittlerweile war man nur noch bei belanglosen Spielmustern angekommen. Und das, wo doch ein großer Teil seiner Aussagen, Bemerkungen und Erläuterungen, schlichtweg falsch waren. Falsch oder nicht sorgfältig zu Ende gedacht und das sogar noch bei jemandem, der angab früher einmal im Schwert gedient zu haben und das Zerklopfen von schwachen Menschen und Untoten, zu seiner großen Leidenschaft hochstilisiert hatte. Im Grunde wollte sie ihm tatsächlich nur unter die Arme greifen, ihn anleiten oder dazu bringen, seine bisherigen Überzeugungen und Ansichten zu hinterfragen aber da kam ihr der größte Fehler ihrer eigenen Art dazwischen: Trägheit. Wieviel angenehmer und leichter war es doch, einfach stupide an erlernten Mustern festzuhalten und sich nicht die beschwerlichen Mühen und Anstrengungen der Veränderung aufzuladen? Noch dazu hätte man sich Unzulänglichkeiten oder besagte Fehler eingestehen müssen; vielleicht gar noch vor anderen. Es war schon ab und an geradezu köstlich, wie jeder hier in dieser Stadt so angestrengt versuchte sich selbst als das Maß aller Dinge zu präsentieren. Stolz und Hochmut, waren verschlagene Begleiter, die einem akkurat dann in den Rücken fielen, wenn man sich schon als der strahlende Sieger wähnte.

„Ich bin ein Mädchen, belassen wir es dabei und lassen diese Feststellung, noch einen kurzen Augenblick nachwirken. Das ich einen gewissen Stil pflege und auf mein Äußeres achte, was dir in diesem Ausmaß ebenso unnötig erscheint oder mit dem du nicht viel anzufangen weißt, konnten wir ebenfalls bereits festgestellt. Mein Outfit für unseren Ausflug in die Slums, werde ich genauso wie alles andere bereits im Voraus planen müssen und du darfst dich nach wie vor, auf eine kleine visuelle Überraschung freuen. Gleichsam wird es eine Überraschung für uns beide, ob meine getroffene Auswahl deinem Geschmack beziehungsweise deinen Vorstellungen entspricht. Genießen wir doch für eine kurzen Moment diese spannende Vorfreude…“ Ihr nachfolgendes Seufzen, konnte gut und gerne als dringendes Bedürfnis interpretiert werden, man möge sich nicht weiter auf diesen Themenkreis versteifen. Mehr und mehr bekam sie nämlich das Gefühl, es ginge in ihrem Gespräch mittlerweile nicht mehr darum worüber gesprochen wurde, sondern nur noch darum, wer das letzte Wort darin hatte. Mit einer wegwerfenden Geste ihrer Hand, bedeutete sie ihm offenbar auch schon den nächsten, großen Themenkomplex in dieser Nacht ruhen lassen zu wollen. Er machte immer wieder neue Fässer auf, obwohl sie sich beide allem Anschein nach, noch zu dutzenden anderen nicht ausreichend ausgelassen hatten. Und zu einem Ende kommen würde man nicht, wenn sie dieses Spiel immer weiter trugen und jeder den Anspruch an sich selbst hatte, etwas derartig Intelligentes, Aufwühlendes oder Humorvolles beizutragen, sodass der jeweils andere nur noch schweigend nicken könnte. Streng genommen war es nicht nur ein Spiel, sondern zu gleichen Teilen Spiel und Machtkampf.

„Es ist schön und gut, wenn ich ein fantastisches Buch voller interessanter Charaktere und spannenden Wendungen schreibe aber auch wenn mein Name auf dem Umschlag steht, steht in irgendeiner Ecke der Verlag. Und wenn ich will, dass irgendjemand mein Buch bewirbt, produziert und in einer Großbestellung an alle Buchhändler der Stadt ausliefert, muss ich mein Werk einem Verlag vorlegen. Und nur weil ich der Meinung bin, den nächsten Herren der Ringe geschrieben zu haben, bedeutet das nicht augenblicklich, dass mein Verleger der gleichen Meinung sein muss. Es ist eine Sache Kunst zu schaffen aber eine gänzlich andere, als Künstlerin akzeptiert und anerkannt zu werden. Will man damit noch möglichst Geld verdienen, wird es richtig kompliziert. Verlagswesen und Autorenschaft sind ein sicher spannendes aber viel zu umfassendes Thema, als das ich das heute mit dir besprechen wollte. Das überschneidet sich teilweise auch mit Medien- und Kommunikationswissenschaft und Publizistik. Im Großen und Ganzen, sei aber nur so viel gesagt: Zauberhafter Charme ist eine nicht zu verachtende Komponente, wenn man erfolgreich sein will. Ganz besonders als Mädchen, denn nach wie vor haben wir ein eindimensionales, patriarchales System.“ Offenbar hatte sie sich tatsächlich eingehend mit ihrer eigenen Arbeit, als auch mit gesellschaftlichen Problemen und Missständen beschäftigt. Wahrscheinlich wäre es nicht weiter verwunderlich, wenn sie einen guten Teil ihres bisherigen Lebens in Bildungseinrichtungen, vorzugsweise Universitäten verbracht hätte. Bildungsferne Schichten, sahen anders aus.

„Und ich habe bereits jemand besonderen für mich gefunden beziehungsweise haben wir einander gefunden. Ich fühle mich akzeptiert, gehalten und geborgen. Aber wie so oft in dieser ungerechten, bitteren Welt, sollte man vorsichtig sein mit seinen Wünschen. Sie tendieren leider dazu, nur allzu schnell in Erfüllung zu gehen. Genau wie unsere unsichtbaren Narben, sind auch unsere unsichtbaren Kriege die grausamsten und schmerzvollsten. Denn hier draußen opfern wir lediglich bedeutungslose Ressourcen, Aktienpakte, Munition und Marionetten. Das sind allesamt Spielzeuge, im besten Falle womöglich noch Werkzeuge, mehr nicht. Wenn du aber anfängst dich selbst mit ins Spiel zu bringen, kann dein Verlust beträchtlich höher ausfallen.“ Sie lächelte ihn müde an und schüttelte den Kopf. „Aber das ist auch kein Thema für diesen Abend und ich erwartet nicht, dass du so etwas verstehst oder verstehen willst. Für dich hat es keine Bedeutung, denn wie alles in unserer Existenz, ist alles nur gerade so viel wert, wie die Bedeutung die wir den Dingen beimessen.“ Kurz darauf, ertönte ein knappes Lachen, das mehr dem reflexartigen Ausstoßen von Luft gleichkam, als tatsächlicher Erheiterung. Irgendwie klang es sogar ein Stück weit höhnisch oder ungläubig.

„Oh, ich bin überzeug davon, dass du dich mit Tod und Folter hinreichend beschäftigt hast. Als Ex-Sabbati wirst du mit diesem Themenkomplex sicher tagtäglich konfrontiert gewesen sein. Ein weiterer Grund, warum du einen perfekten Leibwächter abgeben würdest. Du hast geradezu ausgezeichnete Referenzen in dieser Hinsicht.“ Sie hob einen Finger gemahnend in die Luft, so als würde wohl gleich im Anschluss, etwas noch weitaus bedeutenderes von ihr kommen. „Deshalb wärst du auch sicher ein großartiger Lehrer. Jemand wie du lernt keine Bewegungsabläufe im Karate-Studio nein; ein Kämpfer deines Kalibers kommt von der Straße und hat nicht das Bedürfnis sich an irgendwelche Regeln zu halten. Es geht ums Überleben und das mit allen Mitteln. Es würde mich auf jeden Fall freuen, wenn wir uns diese Option offen halten könnten. Natürlich ist meine physische Leistungsfähigkeit bedeutend größer als die eines gewöhnlichen Menschen aber ungenutztes Potential, muss in ordentliche Bahnen kanalisiert werden. Nur weil etwas vorhanden ist, heißt das noch lange nicht, dass es einem gänzlich und effektiv zur Verfügung steht. Zumal das simple Erschießen von Menschen mit Projektilen, jetzt nicht unbedingt das ist, was ich mir unter Unterreicht bei dir vorgestellt habe. Ganz egal ob du das ehrenhaft findest oder nicht, darauf kommt es mir überhaupt nicht an. Wenn du es schaffst, mir beizubringen wie ich mich gegen meine eigen Art besser zur Wehr setze, bin ich schon zufrieden und glücklich. Sehen wir uns deine Leistungen also zunächst in der Arena und den Slums an und wenn ich von deinen Fähigkeiten ausreichend überzeugt bin, verhandeln wir vielleicht nicht nur über eine Anstellung als Leibwächter, sondern darüber hinaus noch als Lehrer in Sachen Selbstverteidigung und Blutvergießen.“ Die mittlerweile leere Teetasse mit der entzückenden Aufschrift, wurde nonchalant in hohem Bogen über ihre Schulter geworfen, bevor sie irgendwo in einer gefrorenen Masse aus Eis und Schnee aufprallte. Den Inhalt selbst, musste sie wohl bereits zuvor irgendwo ausgegossen haben. Kein Handwärmer mehr; sie schien es recht gut zu verkraften.

„Ich trinke keinen Tee, es sei denn du willst dass ich dir in blutigen Fontänen den gefrorenen Rasen vollkotze.“ Mit einem schiefen Lächeln, begutachtete sie erneut seine Proportionen. Und wenn es ihn noch so wundern mochte, die attraktive Frau ließ sich nicht darin beirren. Mit den grünen Augen, verfolgte sie die Linien seines Nackens, hinab zu den breiten Schultern, die in kräftigen Oberarmen mündeten. Vorbei ging es an seinen Unterarmen, zu den behandschuhten Händen, hinüber an seine Taille, den Schritt entlang zu den durchtrainierten Waden, die er unter seiner Kleidung verborgen hielt. Im Fachjargon nannte man das ‚Sezieren‘; sie sezierte ihn mit ihren analytischen Blicken und schmunzelte dabei unentwegt. Wenn er bislang nur der Auffassung war, lediglich Männer würden untereinander Körperformen erahnen können oder vergleichen, dann konnte man ihr augenblicklich unterstellen, ihm das Gegenteil beweisen zu wollen. Ungewöhnlich, dass Frauen einen so direkt und unverhohlen, die Physis betreffend begutachteten. Normalerweise hielt man sich ja bedeckt und schielte gelegentlich mit verstohlenem Blick auf den ‚heißen Typ‘ da am Ende der Bar. Clara schien von solchen, gesellschaftlich anerkannten Prozessen wenig zu halten.

„Die Pointe mit der Schwelle ging wohl kläglich verloren, weil du den Ausdruck nicht kanntest hm? Du wolltest mich über Blut und Leichenteile tragen, während der Bräutigam die Braut, nach der Hochzeit über Schwelle des gemeinsamen Eigenheims trägt. Symbolisch gesehen, der gemeinsame Aufbruch und das Überwinden der letzten Hürde, zu einem zukünftigen Lebensabschnitt als Ehepartner. Und das Brautkleid, ist für gewöhnlich immer weiß.“ Belustigt hob sie eine ihrer Augenbrauen und unterdrückte ein leichtes Prusten. Nein, von Phasenmodellen, sozialer Interaktion, neckenden Flirts, Anspielungen und unterschwelligen Botschaften verstand er tatsächlich nicht viel. Er war der Mann fürs Grobe, Feinheiten blieben ihm jedoch verborgen. „Wie Salz auf meiner Haut…“, flüsterte sie etwas geistesabwesend, bevor sie ihm erneut ihre volle Aufmerksamkeit schenkte.

„Und wenn ich dieses köstliche Spiel aus Anziehung und Abstoßung, dieses neckende Flirten und beschämte Lächeln für dich spielen würde, das man im Gegensatz zu deiner dominanten, maskulinen Art, eher dem weiblichen Geschlecht zuordnet, dann fielen wir beide in die klischeehaften Kategorien von menschlicher Arterhaltung und Fortpflanzungstrieb. Ich bin jemand, die weiß was sie will und was sie nicht will. Unser Geschlechtstrieb ist so tot wie der Rest unserer kalten Körper aber genauso wie ich immer noch Röcke trage und du Hosen, genauso ist ein winzig kleiner Teil unserer sterblichen Vergangenheit in unseren abgestorbenen Gehirnen begraben. Ansonsten könnte es mir ja ziemlich egal sein, was ich trage, wie meine Frisur sitzt oder ob mein Make-up gelungen ist. Wir bräuchten im Grunde nichts mehr, das unsere Geschlechtsrollenidentität unterstreicht, trotzdem klammern wir uns daran fest. Aus Gewohnheit, aus Trägheit und wegen diesem kleinen Teil in unserem Gehirn, der nur schwer tot zu bekommen ist. Denn schlussendlich ist auch das wieder ein Stück unserer dahinschwindenden Identität und unseres Selbstbildes. Der springende Punkt ist…“

Mit einer überspitzt femininen Drehung, erlaubte sie ihm erneut die intensive Begutachtung ihrer gut gekleideten Erscheinung und ließ die Hände dabei sachte über ihren Hals, die Brüste hinab über ihren Bauch gleiten. „Deswegen und nur deswegen funktioniert es…“ Mit einer geschickten Bewegung, strich sie sich anschließend eine Haarsträhne zurück und lächelte ihn vielsagend an. Fast schien es so, als würde sie für diese philosophisch-tiefgreifenden Worte, als auch ihre Darbietung, anerkennenden Applaus und bestätigendes Nicken erwarten. „Wir müssen kein Phasenmodell durchlaufen, um zu wissen was wir wollen und woran wir unser Selbst klammern. Da ist noch immer diese kleine Stimme in deinem Kopf, die manch findige Beobachter unser Bewusstsein nennen. Und wenn ich das Gefühl bekomme, das all diese streng evolutionswissenschaftlichen Sinnlosigkeiten einen Teil in mir ansprechen, der mich ausmacht, der mich definiert und diesem Konstrukt aus Physis, Psyche und Seele Legitimation verleiht, dann fick mich so hart und erbarmungslos, bis die Welt aufhört sich zu drehen. Und wenn das Ganze auch noch Spaß verspricht, wer soll über einen richten? Der ganze bedauernswerte Rest, ist ohnehin zu feige sich selbst an der Nase zu nehmen und sich nur einziges Mal den eigenen Abgründen zu stellen. Je heller und strahlender das vermeintliche Licht, desto schwärzer werden die Schatten.“ Lange sah sie ihn mit einem recht undefinierbaren Gesichtsausdruck an, bevor sie mit einem bedauernden Seufzen seinen Vorschlag nach blutigem Gemetzel aufgriff.

„Es gibt für alles einen Ort und vor allem eine Zeit. Hier und jetzt, ist nicht die Zeit sich in irgendwelchen bluttriefenden, animalischen Gelüsten zu ergehen. Davon werden wir sowohl bei den Arenakämpfen, als auch in den Slums wohl noch genug zu sehen bekommen. Und falls es dir ein persönliches Vergnügen bereiten würde, mich mit nackten Brüsten, blutverschmiert und zufrieden grunzend auf einem zerstückelten Leichenberg sitzen zu sehen…“ Ihre grünen Augen funkelten ihn einschätzend an, während ihre Mundwinkel sich ganz leicht zu einem wissenden Lächeln erhoben.

„Dann solltest du dir genauso wie über meine Zurschaustellung eventueller Kampfkünste, vorher über den Preis im Klaren sein. Wenn ich dezent mit dir flirte und dreckigen Sex in Aussicht stelle, dann kannst du getrost davon ausgehen, dass ich anders als all die anderen Frauen in dieser Stadt, nicht zuerst keck mit dir liebäugle um dann einen beschämt-femininen Rückzieher zu machen. Ich halte mein Wort und meine Versprechen und selbst wenn vieles von dem was ich tue, nur nach lustvollem Zeitvertreib aussieht, ist erfüllender Spaß nur ein willkommenes Nebenprodukt des Ganzen. Gleiches gilt für deine Blutorgie, auf die du dich irgendwie schon besonders zu freuen scheinst. Sei vorsichtig mit dem was du dir wünscht.“ Etwas erstaunt, las sie dann seine weiteren Ausführungen zum Thema persönliche Sicherheit, Paranoia und Vorsichtsmaßnahmen, die einem die allnächtliche Existenz zu erleichtern vermochten. Er hatte da ja offensichtlich einen recht ‚beschwingten‘ Umgang mit diesem ernsten Themenkomplex, der wohl auch nicht zuletzt auf das Schwingen seiner Fäuste zurückzuführen war. Ihre Lippen teilten sich bereits, als sie augenrollend etwas entgegnen wollte aber dann schien es für den Bruchteil einer Sekunde, irgendwo ‚Klick‘ gemacht zu haben und sie schenkte ihm lediglich ein gönnerhaftes, wohlwollendes Lächeln. Sie hatte sich ganz offensichtlich anders entschieden. Gänzlich anders. Schonung des Energiehaushaltes oder so ähnlich.

„Wie recht du doch hast. Ich bin absolut überzeugt davon, dass jemand von deinem Format und deinem reichen Erfahrungsschatz, als Ex-Mitglied des Sabbat, mehr als dazu in der Lage ist sich jeglicher Bedrohung zu stellen und diese zu meistern. Mit eventuellen Handlangern wirst du ohne Zweifel spielend fertig, wenn wir uns noch einmal deine ausgeprägten Muskelpartien und deine Kampferfahrung vor Augen führen. Und es ist sicher sehr großzügig von dir, deine stichwortartigen Mitschriften an andere weiterzugeben, damit man sich das Gespräch noch einmal in Erinnerung rufen kann. Mitunter entgehen einem da ja wichtige Details, ansonsten finde ich es schön dass du für eine reibungslose Vernichtung deiner wenig kompromittierenden Dokumente sorgst. Du hast diese Krankheit ja schon von Kindesbeinen an und hast demenentsprechend natürlich gelernt, mit den kleinen Problemen und Schwierigkeiten des Alltags umzugehen. Verzeih dass ich deine Kompetenz in diesem Bereich in Frage gestellt habe. Wer wenn nicht du, weiß am besten mit diesen Einschränkungen zu leben. Du warst beim Sabbat und hast sicher in vorderster Front gekämpft, ich bin nur ein schutzbedürftiges Mädchen, das gerne hübsche Kleider trägt und gelegentlich ein paar romantisch-verträumte Texte verfasst. Ein Mädchen-Mädchen, das ein verwegenes Abenteuer erleben will und darauf hofft, dass der starke Mann an ihrer Seite sie vor allem Bösen bewahrt.“ Sie blinzelte einige Male überspitzt mit ihren unschuldig-grünen Augen. Man wollte sie sofort in die Arme schließen und mit ihr kuscheln, wenn sie nicht nur eine herumspazierende Leiche gewesen wäre. „Was die Memo-Techniken angeht. Genau: Knoten in Schnüre als Gedächtnisstütze, daran habe ich gedacht. Brillant geschlussfolgert. Mir hilft es hin und wieder, wenn ich meine Lieblingshalskette verlegt habe.“ Dann lächelte sie ihm begeistert zu.

„Man kann analoge oder digitale Texte auch wieder löschen? Wow, eine fabelhafte Idee. Warum fällt mir sowas nicht ein? Das klingt wie die Lösung eines großen Datenschutzproblems, einfach fantastisch.“ Und natürlich triefte sie gerade vor Spott, wäre schon beinahe selbst darauf ausgerutscht. Ganz gleich wie er darauf reagieren mochte, diesen kurzen Moment der Selbstbestätigung und Freude, ließ sie sich nicht nehmen. Immerhin hatte er erneut über die Wahl seines Kommunikationsmittels nachgedacht; das verbuchte Fräulein de Vries bereits als Fortschritt. Wenn er sich sonst schon nichts sagen ließ und auf keine ihrer gut gemeinten Ratschläge eingehen wollte. Für sie war es insgesamt gesehen schon merkwürdig, dass sie sich dazu bemüßigt fühlte ihm wertvolle Tipps und Erfahrungen weiterzugeben, die er dann in seiner maskulinen Perfektion ignorieren konnte. Männer. Mit dem richtigen Chromosomensatz bekam man offensichtlich eine kostenlose Jahresration Sturheit mit dazu. „Ein einfaches ‚Danke‘ würde für den Anfang genügen und du musst ganz sicher nicht kostenlos für mich arbeiten. Gerechter Lohn für gerechte Arbeit, so wollen wir es miteinander halten. Und was mein Dekolleté angeht: Du wärst erstaunt…“ Sie grinste leicht amüsiert.

„Falls du auch mal in den wundervollen Genuss kommen willst, zu wissen wie sich so etwas anfühlt, lässt sich das vielleicht arrangieren. Ich kenne eine Menge Leute aus den unterschiedlichsten Berufsfeldern. Bankiers, Ärzte, Restaurantbesitzer, Industrielle; für eine Nacht könntest sogar du dich ganz Frau fühlen. Das würde zwar aufgrund der Beschaffenheit unserer toten Körper nur ein kurzfristiger Spaß werden aber das wäre dann unsere erste Gelegenheit, miteinander shoppen zu gehen. Klingt das gut? Wir suchen dir einen hübschen BH aus und danach gehen wir ins Waffengeschäft. Du meintest ja die hier reichen nicht.“ Clara erwartete natürlich keine Antwort darauf aber wenn er schon dabei war, alles was sie ihm erzählte in Frage zu stellen, musste sie ihm ein paar abschließende, neckende Seitenhiebe verpassen. Das war beinahe schon so etwas wie ein innerer Zwang. Als er dann noch kurz seine Bedenken, hinsichtlich einer gemeinsamen Lösung seines Slumproblems kundtat, hob sie nur gelangweilt die Schultern.

„Wenn ich dir mit diesem merkwürdigen Rudel in den Slums tatsächlich helfen sollte, dann würden wir diesen Deal natürlich gesondert aushandeln. Du wärst natürlich für diesen Zeitraum von deinen Pflichten als Leibwächter entbunden; müsstest keine Verantwortung für mein Wohlergehen übernehmen. Schließlich brächte ich mich auch mit voller Absicht und bei klarem Verstand in diese potentiell gefährliche Situation. Und was die Höhe des Risikos angeht…“ Sie sah sich verschwörerisch in der näheren Umgebung um und flüsterte ihm dann zu: „Wer sagt das ich nur auf mich allein gestellt wäre? Oder wir nur zu zweit?“ Fast gleichzeitig, hob sie erschrocken eine Hand an den Mund und schüttelte den Kopf. In ihrem Blick lag ein gespielt entsetztes Erstaunen. „Huch, aber du hast ja recht. Ich bin ja allein hier, da ist sonst niemand. Wie konnte ich das nur vergessen. Dummes Mädchen, dummes Mädchen.“ Mit einer Hand klopfte sie sich selbst scheltend an den Kopf. Strafe für unreflektierte und zu voreilige Aussagen musste schließlich sein. Dann sah sie ihn grinsend an.

„Tja, das tut mir jetzt wirklich leid aber wie immer hast du natürlich vollkommen Recht. Bedauerlicherweise sehe ich mich außer Stande dir in dieser Angelegenheit kompetente Hilfe zukommen zu lassen. Es wäre trotzdem interessant irgendwann zu erfahren, warum du so böse auf die Truppe bist und sei es nur, damit ich eine spannende Geschichte zu hören bekomme. Wir Mädchen lieben eben einfach tolle Geschichten, die wir einander erzählen können.“ Das Grinsen wollte gar nicht mehr aufhören.

[Das sind jetzt 5! A4-Seiten und ich würde darum bitten unseren Wortfluss einzuschränken :P]
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Re: Frozen [Mittelschicht – West Town; Clara/Munir/Offen]

Postby Munir Andara » 02 May 2016, 13:10

Er nickte nur, ernst wie schweigsam. Tatsächlich beließ er es dabei, auch wenn er noch immer nicht verstanden hatte, warum sie sich darum bemühte, eine Garderobe zu finden, die ihm gefallen würde. Er würde sie schlicht als Kleider sehen, die zwar ganz schön anzusehen waren, zu mehr hingegen nicht taugten. Mit einem Schulterzucken schloss er den Gedanken ab. Auf ihren kurzen Monolog reagierte er wiederrum nur mit einem Heben seiner Schultern. Dabei schien sein Blick etwas in die Richtung von Wie du willst sagen zu wollen, auch wenn in ihm kein Vorwurf lag. Wenn sie sich mit ihm nicht über ihren Beruf unterhalten wollte, sei es drum. Er hatte ohnehin nie vorgehabt, in das Verlagswesen einzusteigen- oder gar als Autor sein Geld zu verdienen.

Seine Mundwinkel verzogen sich minimalistisch nach oben und um seine Augen bildeten sich feine Fältchen.
Meinen Glückwunsch. Gehalten und geborgen, aber du willst trotzdem an einen unsicheren Ort? Kommt drauf an, mit wem du dich einlässt, mit wem du deinen unsichtbaren Krieg führst. Und natürlich verstehe ich es. Nicht nur du hast bereits Kriege geführt.

Auf ihr Lachen reagierte er zunächst irritiert und hob seine linke Augenbraue um eine Nuance.
Du siehst meine Erfahrung mit Tod und Folter als Teil einer Tätigkeit als Leibwächter? Jetzt bin ich tatsächlich darauf gespannt. Dabei leuchteten seine Augen schwach, so etwas wie Freude glomm in ihnen auf.
Wir können uns diese Option gerne offen halten. Das Training wäre allerdings etwas anstrengender als das Schreiben von einem Buch. Aber ich denke, darüber bist du dir im klaren. Wobei, wenn ich genauer darüber nachdenke, wäre es aus finanzieller Sicht nicht unbedingt das beste, was ich tun könnte. Immerhin würde ich dafür sorgen, meinen Job überflüssig zu machen. Grinsend zuckte er die Schultern.
Ich glaube, so simpel ist Erschießen gar nicht. Auch dort sollte es- nun, zumindest für Menschen- spezielle Atemtechniken geben und Zielübungen, bestimmt noch mehr. Aber ich würde dir den Nahkampf beibringen, ob mit oder ohne Waffe dürftest du tatsächlich wählen dürfen. Ich glaube aber, der bewaffnete Kampf könnte dir mehr helfen, dich gegen unsere Artgenossen zu verteidigen. Es sei denn natürlich, du verfügst über dir sehr vertraute Gangrel, die dich ihre Geheimnisse lehren würden.
Sein Blick folgte einen Moment lang der Tasse, legte sich nach ihrem Aufschlagen auf dem Eis aber wieder auf sie.

Das wäre mir ehrlich gesagt ziemlich gleich. Solange ich noch nicht dein Leibwächter bin. Ich hätte keine Lust, allen hier erklären zu müssen, warum du das tust. Aber falls du dich dahingehend erleichtern möchtest, hole ich dir gerne noch einen neuen Tee.
Er imitierte bei dieser Aussage ihr schiefes Grinsen. Ihr Betrachten seines Körpers ließ er über sich ergehen, ohne darauf zu reagieren. Er wartete nur, bis sie damit fertig war und betrachtete seinerseits mit zur Seite geneigten Kopf ihr Gesicht.
Nein, ich denke nicht, dass ich dich über deine Schwelle tragen werde. Außerdem hast du doch schon deine große Liebe gefunden, hmm? Dabei legte sich wieder Irritation in seine Miene, die sich bei ihrem Flüstern nur noch verstärkte.

Und genau deshalb führen wir diese Unterhaltung noch. Du hast bei deiner Aufzählung vergessen, dass wir das hier auch machen, um uns als Sterbliche zu tarnen, aus den verschiedensten Gründen. Die Bewegungen ihrer Hände registrierte er, obwohl er noch immer ihr Gesicht ansah, auch wenn sie am Rand seines Sichtfeldes stattfanden. Dabei verzog sich seine ruhige Maske nicht.
Dann sollten wir uns überraschen lassen, ob du dieses Gefühl bekommst, nicht wahr? Licht und Schatten.. du sprichst aus Erfahrung, oder?

Angenommen, ich würde dich gerne so sehen, wie du dich beschrieben hast, was wäre dann der Preis? Unser Vertrauen zueinander? Er zögerte unmerklich. Ich freue mich nicht auf das Blutbad. Es kommt noch zu genügend Blutbädern, die ich sehe und noch zu genügend Bädern, die ich selbst verursache. Ich wohne in den Slums, ich muss mir keine Blutorgie wünschen, ich müsste mir wünschen, in keiner beteiligt zu sein.
Ich werde natürlich nicht mit jeder Bedrohung fertig, auch nicht mit allen Handlangern. Aber wieso sollten sich die Mächtigsten für mich interessieren? Aber ich denke, ich habe ganz gut gelernt, zu überleben, auch mit der Stummheit. Und du bist ganz sicher kein Mädchen-Mädchen. Wenn du eines wärst, wärst du wahrscheinlich schon seit Jahren endgültig tot.
Er ließ kurz seine Kiefermuskeln vortreten, entspannte sie jedoch nach kurzer Zeit wieder. Wieso versuchte sie, ihn zu verarschen?
Und noch einmal. Was war an seiner Idee so falsch? Immerhin speicherte er die Nachrichten dann doch nicht auf dem Gerät, oder etwa doch? Er musste nachher Derwin danach fragen, vielleicht wüsste er eine Antwort.
Ja, man könnte sie danach wieder löschen. Ich denke, das wäre keine Lösung für ein Datenschutzproblem. Aber wenn du eine bessere Idee hast, nur zu.. Dabei hob er seine Augenbrauen und sah sie erwartungsvoll an. Dann nickte er nur. Ein einfaches Danke konnte sie anschließend gerne haben.

Nein danke, ich habe weder vor, Anderen als Sexspielzeug zu dienen noch mit dir Bh´s shoppen zu gehen. Langsam kroch das Grinsen wieder in sein Gesicht. Ach, du kannst eine Armee an Kainiten organisieren, die dir zufällig alle gegen ein unbekanntes Rudel folgen würden? Und hatten wir das vorhin nicht schon mal? Außerdem, wer sagt dir, dass ich allein hier bin?
Ihren kleinen Ausbruch verfolgte er mit einer Mischung aus Irritation und Amüsement.
Körperlich weiß ich tatsächlich nicht, wie du in deiner jetzigen Verfassung eine große Hilfe sein könntest. Allerdings gäbe es ja noch mehrere Bereiche, zum Beispiel die Vorbereitung, eventuell das Aufräumen... Aber falls du nicht helfen kannst oder nicht willst, ist das natürlich auch in Ordnung. Auch wenn du die Geschichte dann höchstens hören wirst, wenn sich die Wogen geglättet haben, was noch einige Zeit dauern könnte.
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Re: Frozen [Mittelschicht – West Town; Clara/Munir/Offen]

Postby Clara de Vries » 11 May 2016, 10:06

Sie lächelte ein gutmütiges und mittlerweile etwas müdes Lächeln, das ihm unweigerlich den Eindruck vermittelte, dass sie ihre gemeinsame, angeregte und durchaus interessante Kommunikation mitunter auch als mühselig empfand. Das mochte wohl nicht zuletzt auch daran liegen, dass sie sich gerade im Kreis zu drehen schienen, den auf jeden Kommentar und jedes Argument, schienen sowohl sie als auch er selbst eine passende Antwort parat zu haben. Niemand war bereit für einen Kompromiss, niemand trat einen Schritt zurück; kein Weichen, kein Zögern. Es gefiel ihr und macht der attraktiven Dame sichtlich Spaß aber bedauerlicherweise klärte es keine Fragen, sondern warf immer nur wieder neue auf. Schlussendlich schüttelte sie den Kopf und seufzte nachdenklich, während der Blick ihrer grünen Augen, sich ein wenig in seinem Gesicht festgesetzt hatte. Für einen kurzen Augenblick schwieg sie und man mochte mutmaßen, sie zog gerade eine erneute Bewertung der Situation vor.

„So viele Möglichkeiten, so viele Gesichtspunkte und Variablen. Niemand von uns beiden wird sich eingestehen nicht über alles und jeden Bescheid zu wissen oder diese Existenz gemeistert zu haben nicht wahr?“ Offenkundig war diese Frage rein rhetorischer Natur und dennoch verzog sie dabei fast gleichzeitig ein wenig sinnierend das Gesicht, als würde sie für den Moment tatsächlich darüber nachdenken. „Der Abend ist zu kurz um sich über all diese Dinge im Detail auszutauschen und momentan bekriegt sich nur unser grenzenlos selbstgefälliges Ego, vermischt mit einer dezenten Spur triefendem Sarkasmus. Mag eine Zeit lang durchaus gefallen aber auf den Punkt gebracht, bist du als neuer Bekannter, möglicher Leibwächter und eventueller Verbündeter potentiell viel zu wertvoll, als unsere kostbaren Stunden mit derlei sinnfreien Schwanzvergleichen zu füllen. Diesen entzückenden und erheiternden Nettigkeiten, können wir auch noch ein andermal ausgiebig frönen. Und damit es auch fürs Protokoll festgehalten ist: Ja, ich habe damit angefangen.“ Mit einer Drehung ihres Handgelenks, traten die Zeiger ihrer filigranen Uhr in ihr Blickfeld und veranlassten sie dazu bekräftigend zu nicken.

„Wozu du und ich in der Lage sind, was wir können und was nicht, was uns antreibt und was uns angewidert zurückweichen lässt, werden wir wohl demnächst unweigerlich feststellen. Zunächst aber warten wir das Spektakel der Arena-Kämpfe ab. Du bestreitest deine Kämpfe und ich bekomme damit schon einen ersten Eindruck von deinen Fähigkeiten und Talenten. Im Anschluss setze ich mich an die Planung für unser kleines Abenteuer in den Slums und kontaktiere dich, sobald diese abgeschlossen ist. Wo wir beide dann stehen und wie wir einander nützlich sein können, dürfte sich wohl auch nach und nach ergeben. Ich gebe ja ohnehin mehr der Praxis als ausschließlich trockener Theorie den Vorzug. Vielleicht werden wir am Ende beide überrascht sein. Im positiven Sinne, versteht sich.“ Ihre Mundwinkel wanderten in einem höflichen Lächeln nach oben, als sie ein letztes Mal die beschauliche Szenerie der sterblichen Eisläufer in der klirrenden Kälte verfolgte.

„Hast du noch drängende Fragen, die nicht länger warten können und tatsächlich relevant für uns sind? Wenn nicht würde ich mich für heute erst einmal wieder verabschieden. Ich habe noch einen wichtigen Termin, bei dem meine Anwesenheit unbedingt erforderlich ist.“ Mit ein paar kurzen Schritten, kam sie wieder etwas näher auf ihn zu und streckte ihm die Hand hin. Ganz augenscheinlich war sie im Inbegriff zu gehen aber ob das an der umständlichen Kommunikation, ihrem langsam abflauenden Interesse oder an etwas gänzlich anderem liegen mochte, blieb unausgesprochen.
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Re: Frozen [Mittelschicht – West Town; Clara/Munir/Offen]

Postby Munir Andara » 15 May 2016, 23:54

Er hob seine Schultern für einen Moment, dann nickte er angedeutet. Sie hatte wohl recht mit ihrer Aussage. Ihren kurzen Redeschwall verfolgte er regungslos, nur am Ende musste er lächeln. Wie recht sie doch damit hatte. In Ordnung. Meine Nummer hast du ja mittlerweile, oder du findest einen anderen Weg, wie du willst. Seine geschriebenen Worte bekräftigte er mit einem erneuten Nicken.
Nein, er hatte keine drängenden Fragen mehr und selbst wenn sich ihm noch welche stellen mochten, er konnte sie nun ja erreichen. Um sich ihr mitzuteilen, schüttelte er nur den Kopf und steckte seinen Block mit einer langsamen Bewegung wieder in seine Tasche. Er ergriff ihre Hand, als sie ihm diese darbot und schüttelte sie einmal. Während er sie noch festhielt, fraß sich die Kälte, die von seiner Hand ausging in die ihre. Dabei formten seine Lippen ein Viel Spaß. Sein Mundwinkel hob sich noch für einen kurzen Moment ein wenig, dann ließ er sie los, drehte sich um und verschwand mit raschen Schritten aus dem Park.
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Re: Frozen [Mittelschicht – West Town; Clara/Munir/Offen]

Postby Clara de Vries » 16 May 2016, 08:20

Ohne ein weiteres Wort zu verlieren oder gar zu zögern, ergriff sie seine Hand und drückte diese mit der selbstsicheren Bestimmtheit einer Frau, die es gewohnt war Geschäfte zu tätigen und Abmachungen zu treffen. Nicht dass solcherlei Dinge eine Seltenheit unter ihresgleichen waren. Die Kälte in seiner Hand, quittierte sie mit einem irritiert-interessierten Augenaufschlag, der alsbald in ein höfliches und beinahe schon belustigtes Lächeln überging. Ja es war immer noch bitterlich kalt da draußen und wenn sie nicht bald ihren ‚Kreislauf‘ in Schwung brachten, würden sogar selbst sie hier festfrieren. „Den wünsche ich dir auch, eine angenehme Nacht noch“, verkündete sie ihre dezente Erwiderung und sah ihm noch nachdenklich-sinnierend nach, als seine Schritte ihn bereits wieder Richtung Ausgang trugen.

Nur wenige Augenblicke später, setzte auch sie sich in Bewegung und hob wie beiläufig, die von ihr selbst noch so nonchalant weggeworfene Teetasse wieder auf; warf diese einige Mal ein paar Zentimeter in die Luft und fing sie mit einem fast schon vergnügten Grinsen wieder auf. Spielkind, daran ließ sich wohl nichts ändern. Grell flammte das Display ihres Smartphones auf, als sie ihren Wagen erreicht hatte und schon hörte man ihre vertraute Stimme. „Ich bin es. Wir haben einen weiteren 10-54 in der Stadt mit Verdacht auf 10-30. Könnte noch spannend werden…“ Kurze Zeit später grollte ein satter Zylinderlärm durch die Straßen, der sich kontinuierlich leiser werdend im nächtlichen Straßenverkehr verlor.
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