Frozen [Mittelschicht – West Town; Clara/Munir/Offen]


Re: Frozen [Mittelschicht – West Town; Clara/Munir/Offen]

Postby Clara de Vries » 04 Mar 2016, 19:04

Seine wieder einkehrende Ruhe, gefiel ihr augenscheinlich und so würde einem höflichen Händeschütteln, wohl nichts mehr im Wege stehen. Womöglich brachte es ihr sogar eine gewisse persönliche Befriedigung, anderen ihrer Art noch etwas beizubringen, auch wenn es sich dabei nur um vernachlässigbare Fachterminologie handeln mochte. Selbst in ihrem Zustand, konnte man immer wieder noch das eine oder andere lehren und lernen. Manchmal war man sogar regelrecht dazu gezwungen. Heute und hier, lernte man sich kennen, wobei die Kälte seiner behandschuhten Finger, ihrem offensichtlichem Interesse keinen Abbruch tat. Derartige Dinge, waren im Anbetracht der Umstände wie ganz selbstverständlich zu erwarten; sein vollständiger Mutismus… eher nicht. Die wärmende Tasse wurde von ihr vorsichtig in beide Hände genommen und fast erweckte sie den Anschein, gleich einen Schluck trinken zu wollen. Ja, die angenehme Wärme von außen war schon ganz nett aber nichts ging doch über dieses wohlige Gefühl, wenn einen der heiße Tee von innen heraus wärmte und in geruhsame Entspannung versetzte. Da sie aber das hübsche Weiß des Schnees zu ihren Füßen, nicht in ein sattes Rot verwandeln wollte, blieb die dampfende Tasse, als auch deren Inhalt, dort wo sie waren. In aller Ruhe beobachtete sie die Bewegungen seiner Hand, die über das zerknitterte Papier glitten und quittierte die schriftliche Antwort, mit einem versonnenen Lächeln. Noch bevor sie zu einer Antwort ansetzen konnte, formten sich neue Zeilen auf dem Papier. Das machte nichts, sie ließ ihm ausreichend Zeit dafür. Der kräftige Mann wirkte… unsicher aber ihre Erwiderung auf seine sichtbaren Zweifel, gipfelte lediglich in einem knappen Heben ihrer Schultern und einem beruhigenden Lächeln. „Eine dieser spannenden Fragen. Schützen wir uns damit selbst oder die Sterblichen um uns herum? Ich habe da verschiedene Meinungen gehört.“

Die dampfende Tasse immer noch in den Händen haltend, deutete sie mit einem kurzen Nicken in Richtung des weitläufigen Parks, der in regelmäßigen Abständen von Straßenlaternen beleuchtet wurde. Die Wege in der Grünanlage selbst, waren zwar gekieselt aber die klirrende Kälte, hatte hie und da frisches Tauwasser in gefährliche Eisplatten verwandelt. Man konnte gar nicht anders, als seine Schritte langsam und bedächtig zu setzen. Zeitgleich könnte man den kleinen Spaziergang zu einem intimen Gespräch nutzen. Genau dies schien ihrer Intention zu entsprechen, als sie sich in der offensichtlichen Erwartung, er würde ihr wohl folgen, langsam in Bewegungen setzte.

Ein Schelm, wer beim Ausdruck ‚körperliche Vorrausetzung‘ an gänzlich zweideutige Interpretationen dachte. Dennoch ließ sie es sich nicht nehmen, seine durchtrainierte Statur einer erneuten, scharfen Begutachtung zu unterziehen. Mit einem schiefen Grinsen, wurde eine Augenbraue angehoben. Es gab ja bekanntlich nichts, das es nicht gab. „Sie wirken durchtrainiert und athletisch; strotzen geradezu vor roher Kraft und Kondition. Mit diesen Händen, könnten sie vermutlich Schädel wie Trauben zerquetschen oder ein allzu selbstsicheres Grinsen, zu einem undefinierbaren Brei verarbeiten.“ Sie kicherte ein wenig in ihren Schal hinein. „Ihr Erzeuger hat sie wohl aufgrund eines sehr physischen Bedarfs ausgewählt. Waren sie sein stummer Leibwächter? Ich kann mir nicht vorstellen, dass sie im Baugewerbe Ziegelsteine schleppen mussten oder?“ Ihre Schultern hoben sich erneut ein fragendes Stück. „Wie würden sie ihren Charakter denn dann beschreiben? Ruhig und ausgeglichen?“ Ihre grünen Augen zwinkerten ihm verschmitzt zu. Ja seine besonnene Art, passte vielleicht nicht ganz in das stattliche Bild, das man im ersten Augenblick von seiner breitschultrigen Erscheinung gewinnen mochte. Zumindest nicht für sie.

„Talent“, sagte sie dann knapp. „Er glaubte in mir eben jenen Funken an schöpferischer Inspiration und Schaffenskraft zu erkennen, die seinen Geist und sein Herz beflügeln würden. Mein Erzeuger war ein eifriger Leser und gebildeter Mann. Ich war und bin nach wie vor Autorin.“ Ihr Blick wandte sich kurz hinauf in den sternenklaren Nachthimmel, als ob sie dort oben in der unendlichen Schwärze etwas zu entdecken erhoffte, nur um dann langsam wieder zu ihm zurück zu kehren. „Was machen sie denn beruflich?“
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Re: Frozen [Mittelschicht – West Town; Clara/Munir/Offen]

Postby Munir Andara » 07 Mar 2016, 19:40

Er zuckte kurz die Schultern, nur ein kurzes uns kam ihm über die Lippen- nun, eigentlich formte er nur das Wort mit seinen stummen Lippen. Sie würde seine stummen Erwiderungen schon verstehen, davon war er überzeugt. Zumindest, sofern sie nur aus wenigen Worten bestehen würden.
Als er ihren Aufbruch, eine Reaktion auf seinen Vorschlag sah, folgte er ihr, ebenfalls langsamen Schrittes. Auf die vereisten Flächen, die in unregelmäßigen Abständen den Boden säumten achtete er kaum. Wofür sonst waren seine Schritte langsam? Die Laternen, die ihren Weg erhellten und sich in den Eislachen leicht spiegelten, waren eine angenehme Abwechslung zu den Slums. Hier mussten sie nicht halten, um seine Erwiderungen auf etwaige Fragen zu lesen oder zu schreiben. Er musste sich keine Lichtquellen suchen. Das hob seine ohnehin heitere Stimmung noch ein wenig.

Ihre Beschreibung des scheinbar offensichtlichen quittierte er nur mit einem angedeuteten Schulterzucken. Und sie wirkte redselig und neugierig?
Sein Blick suchte kurz ihr Gesicht. So ähnlich. Mit der Betitelung eines stummen Leibwächters traf sie zwar nicht ins Schwarze, jedoch.. weit entfernt war dies nicht von der Wahrheit. Obwohl sein Erzeuger tatsächlich keinen `Leibwächter´ hätte brauchen können.
Ziegelsteine? Nein, die hatte er in der Tat nie schleppen müssen. Amüsiert schüttelte er den Kopf. Und was seinen Charakter betraf, nun.. er rief sich in Erinnerung, weswegen er hier war. Was er hatte fühlen müssen, als er aus seiner Heimatstadt aufbrechen musste. Als er erfuhr, was sich ereignet hatte. Bei diesen Gedanken versuchte er mit aller Macht, seine Gesichtszüge zu kontrollieren, diese ruhig zu halten. Lediglich seine Augen dienten als Fenster in seine Seele, wie es im Straßenmund hieß. In ihnen war Blutdurst zu sehen, Blutdurst und fanatischer Hass, die dunklen Augen wurden kalt- wenn auch nur für einen kurzen Augenblick, länger erlaubte er es seinem Inneren nicht, nach außen zu dringen. Seine Augen klärten sich wieder, wurden ruhig; seine Mundwinkel hoben sich in einem ehrlichen Grinsen. So.

Bei ihren Erläuterungen über ihre eigene Person nickte er kurz, lauschte ansonsten jedoch aufmerksam, auch wenn er mit seinem Blick mehr auf den Weg als auf sie achtete, suchte nach potentiellen Lauschern oder etwaigen anderen Personen- fand jedoch nur ein weiteres Paar, die, ineinander verschlungen, sich auf einer der Parkbanken in dieser kalten Winternacht warmhielten. Während er auf ihre letzte Frage eine Antwort auf seinem Block formulierte, lief er weiterhin neben ihr. Als er jedoch fertig war, hielt er sie kurz an einer ihrer Schultern fest, an einer der Laternen noch vor dem Paar auf der Bank. Auf dem Zettel, den er ihr in ihre noch freie Hand legte, stand:

Ich steige in den Ring, falls sich dies anbietet. Besonders recht freie Kämpfe haben es mir angetan- ohne Waffen.
Er zuckte kurz mit seinen Schultern, seine Augen zierte ein Schmunzeln- ebenso wie seinen Mund.
Meine Begeisterung liegt wahrscheinlich an meiner Jugend.
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Re: Frozen [Mittelschicht – West Town; Clara/Munir/Offen]

Postby Clara de Vries » 08 Mar 2016, 14:13

Neugier und Zufriedenheit, spiegelten sich in ihrem Gesicht wider, als sie da so getragen müßig, die verschneiten und vereisten Wege durch den Park beschritten. Das gedämpfte Kunstlicht der verspielten Laternenmasten, mochte ihm tatsächlich einladender erscheinen, als die von Staub, Schutt und Asche überzogenen Gebiete der Slums. Da wurde einem der schleichende Verfall von guten Sitten, Moral und nicht zuletzt natürlich des menschlichen Lebens generell, in all seiner grotesken Pracht und Vielfalt, wieder erst so richtig ins Bewusstsein gerufen. In diesem recht gewöhnlichen Park jedoch, mit einigen verstreuten, kahlen Bäumen und Hecken, sowie der gelegentlichen Sitzbank, konnte man im Gegenzug sogar durchaus Erfreuliches bemerken und wenn es sich dabei nur um etwas so Unscheinbares, wie in regelmäßigen Abständen glimmendes Licht handeln mochte. Definitiv ein Vorteil, wenn man darauf angewiesen war sich in schriftlicher Form auszudrücken. Ihre sichtbare Zufriedenheit, mochte aber wohl auch daher rühren, dass er ihre Vermutungen bezüglich seiner eigenen Person ausnahmslos zu bestätigen schien. Selbstredend war er kein einfacher Bauarbeiter, der sich mit staubigem Zement und Gerüstkonstruktionen beschäftigte. Die Rolle als einfacher, stummer Leibwächter und Diener, wäre ihm ebenfalls nicht gerecht geworden. Seine Talente, die außer Frage physischer Natur waren, wären in einem derartigen Betätigungsfeld nur verschwendet gewesen; selbst unter der Berücksichtigung seines mittlerweile offenkundigen Mutismus.

Wenngleich auch seine Möglichkeiten sich verbal auszudrücken begrenzt sein mochten, so hatte er sich doch immerhin ein mannigfaltiges Repertoire an Gestik und Mimik zugelegt, das zu deuten einem geübten Gesprächspartner nicht sonderlich schwer fallen würde. Vielleicht hatte sich diese Form des Ausdrucks, mit den Jahren auf natürliche Art und Weise selbst verstärkt. Vielleicht trat es für die hübsche Frau auch einfach nur präsenter in den Vordergrund, da seine Worte schlichtweg fehlten. Was immer der Grund auch sein mochte, seinen hasserfüllten Blick und die kurz abschweifenden Gedanken, die ihn wohl in die entlegensten Winkel seines abgründigen Geistes tragen mochten, blieben ihr nicht verborgen. Hass, Blutdurst und der unbändige Wunsch zu töten, zeichneten sich in seinem Gesicht ab. Was oder wem sein Zorn galt, war für die Dame an seiner Seite nicht näher erfassbar aber die Intensität der von ihm gezeigten Gefühle, ließ ihre vollen Lippen ein wissendes Lächeln andeuten. Diese Dinge waren für sie offenbar nichts Verwunderliches, denn wer konnte guten Gewissens von sich behaupten, nicht schon einmal inbrünstig gehasst zu haben und das dringende Verlangen in sich aufkeimen zu spüren, die Welt in einem Flammenmeer versinken zu sehen? Wer ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein. Sie warf ihn ganz offensichtlich nicht; ging im Gegenteil noch dazu über, seine aggressiven Emotionen mit einem tröstenden Nicken zu quittieren. Leid und Schmerz konnten manchmal ganz besonders tief sitzen und unzählige Jahrhunderte überdauern. Ein zerfressenes Giftgemisch, das ein Ventil suchte; allein die Möglichkeit zum Ausdruck dessen, was einen innerlich zu schaffen machte, unterschied sich von Individuum zu Individuum. Munir wählte offenbar eine kräftige Faust und das Bersten von Nasenbeinen.

Zumindest glaubte sie dies aus seinen Worten herauszulesen, als er ihren Spaziergang mittels einer knappen Geste an ihrer Schulter, kurz vor der Parkbank mit dem Liebespärchen abstoppte und ihr den zerknitterten Schreibblock präsentierte. Er schickte sich an zu Schmunzeln, sie tat es ihm gleich; warf dann lediglich einen eher desinteressierten Blick zu den sich küssenden Menschen vor ihnen, bevor ihre Aufmerksamkeit sich wieder erneut auf ihn richtete. Insgesamt schien die Dame sich nicht besonders an eventuellen Lauschern oder unsichtbaren Spionen zu stören. Als gäbe es in dieser frostigen Nacht rein gar nichts, das ihre gehobene Stimmung noch trüben könnte. Menschen inklusive.

„Sie kämpfen in den Blutgruben?“, fragte sie mit neu aufkeimender Neugier. „Eine interessante Art sein Geld zu verdienen aber ich bin überzeugt davon, dass sie dort mehr die Herausforderung suchen als nur simplen Reichtum nicht wahr?“ Eine Frage, die wohl mehr rhetorischer Natur war, denn ganz offensichtlich wollte er sich mit anderen messen und genoss diese knochenbrechenden Konfrontationen. Ihre amüsierten Lippen wanderten ein Stück weit nach oben und ihre Lider senkten sich ein kleines Stück, während ihr einschätzender Blick erneut über seine durchtrainierte Erscheinung glitt.

„Ihren jugendlichen Übermut in Ehren aber sind sie denn…. gut?“

Fast schon obligatorisch.
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Re: Frozen [Mittelschicht – West Town; Clara/Munir/Offen]

Postby Munir Andara » 08 Mar 2016, 15:36

Blutgruben? So konnte man es auch nennen. Seit einigen Jahren schon waren die meisten Veranstaltungen heruntergekommen genug, um eine derartige Beschreibung als Kompliment auffassen zu müssen, vor allem in den Slums vieler Städte. Obwohl er die Bezeichnung `Ring´ bevorzugte, schenkte sie ihm doch einige.. nun, nicht gerade schöne, eher berauschende Erinnerungen. Sein erster Kampf, der erste Sieg. Das erste Blut, das unter seinen Händen floss.
Als Entgegnung auf ihre Frage zuckte er nur kurz seine Schultern. Jeder musste von irgendetwas leben, oder etwa nicht? Untotes Leben hin oder her, auch sie brauchten ein Einkommen, vereinfachte es den Allta- die Allnacht doch um einiges. Und sicher, er genoss den Kampf. Wenn nicht, hätte er sich schon seit langer Zeit etwas anderes gesucht, spätestens nach dem Kuss. Dies hatte er jedoch nie gemusst, auch wenn er genügend Durchsetzungskraft hätte aufbringen können- wie viele wohl meinen würden- um seinen Erzeuger oder die meisten anderen Autoritätspersonen von seinen Wünschen zu überzeugen.
Ob er die Herausforderung genoss?
Sicher.
Ob er sie liebte?
Nein.
Lieben würde er sie erst, wenn sie verschärft wäre. Mit Waffen, ohne Regeln. Sogar auf die Macht seines Blutes würde er dabei verzichten. Diese Kämpfe gab es jedoch viel zu selten.
Seine Augen nahmen nach dem Schulterzucken erst einen nachdenklichen und kurz darauf einen eher traurigen Ausdruck an, wobei ihm jegliche Wärme fehlte. Erst als er einmal blinzelte, sich der jetzigen Situation wieder bewusst wurde, nahmen seine Augen wieder Wärme auf. Woher auch immer er sie schöpfen mochte. Sie wurden von einem Lächeln umrahmt, das sogar seine dunklen Augen erreichte.

Als ihr Blick erneut über seinen Körper glitt- wohl abschätzend- wurde aus dem leichten Lächeln ein stummes Lachen, das nur kurz anhielt. Dabei stieß er lediglich Luft aus, kein anderer Laut kam über seine Lippen. Das Amüsierte blieb in seinem Gesicht, als er nun sie musterte. Sein Blick fiel auf ihre wohl recht teure Aufmachung und ihre zierliche Statur. Als Antwort auf ihre letzte Frage nickte er ihr nur kurz zu. Dabei zog er eine seiner Augenbrauen hoch und zu seinem amüsierten Gesichtsausdruck gesellte sich nun der einer Frage. Dabei formten seine Lippen: Und sie?
Selbstredend war er nicht schlecht, würde er sonst noch kämpfen oder gar kämpfen können? Wahrscheinlich nicht.
Die gleiche Frage konnte er jedoch auch an sie stellen, immerhin war es fast schon selbstverständlich, dass sie gut war. Sonst hätte sie wohl nie genügend Geld, sich derart zu kleiden und scheinbar unbesorgt in die Nacht zu gehen.
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Re: Frozen [Mittelschicht – West Town; Clara/Munir/Offen]

Postby Clara de Vries » 09 Mar 2016, 23:37

Unbesorgt und sorgenfrei waren die ganz großen Stichwörter dieses frostigen Abends. Denn genau wie sich dich die Jugendlichen der Mittelschicht so sorgenfrei auf dem Eis vergnügten und dem illustren Zeitvertreib der sportlichen Betätigung, des gelegentlichen Hot-Dogs und einer heimlichen Zigarette frönten, so spazierte auch die jung wirkende Frau an seiner Seite gemächlich und scheinbar völlig ausgeglichen neben ihm her. Keine Anzeichen von Furcht, Missfallen oder anzunehmender Vorsicht. Immerhin hatte er ihr mehrfach, nicht nur schriftlich sondern auch non-verbal zu verstehen gegeben, das ihm die körperliche Auseinandersetzung mit anderen besonderes Vergnügen bereitete. Sei es zum Sport, zur persönlichen Befriedigung oder dem lediglich profanen Einkommenserwerb. Der bullige Mann war ein ruhiger Krieger, indem ungeahnte Zerstörungskräfte wüteten. Vielleicht fand das, was er nicht sagen konnte in seiner erbitterten Gewalt Ausdruck? Ein schöner Gedanke, wenn man wohl wie sie versuchte Sinnbilder und Metaphern in geschliffene Textpassagen zu verwandeln. Eine ganz eigene Lyrik und Poesie die sich, wenn man so wie er dazu überging ihre ausgewählte Abendgarderobe zu begutachten, offenbar tatsächlich verkaufte. Sogar recht gut verkaufte, wenn man die Kosten der Anschaffung ihrer Modeaccessoires so überschlagen wollte aber Geld schien für die hübsche Dame nun wirklich keine Rolle zu spielen. Er hingegen war weitaus interessanter als Plastikkarten und Geldscheine.

„In dieser Stadt?" Ihre Schultern hoben sich für die äußerst knapp bemessene Zeitspanne eines menschlichen Herzschlages. „Sie werden in meinem Metier niemand besseren finden.“ Sagte sie lapidar und es brauchte nicht einmal die egoistische Selbstüberzeugung oder beginnende Überheblichkeit, die man so häufig bei derartigen Aussagen bemerken würde, um eines ganz unmissverständlich klar zu machen: Für sie war dies ein simpler Fakt. Punkt. Morgen soll es wieder schneien – ich bin die Beste in dem was ich tue. Mehr würde man nicht aus diesem nüchtern-geradlinigen Statement herauslesen können. Dafür ging sie zu einem freundlich-erwartungsvollen Lächeln über, das beinahe in unverhohlene Vorfreude mündete, während sie nun ihrerseits den Spaziergang an einer Ansammlung aus verschneiten Hecken stoppte.

„Die jüngsten Ereignisse haben uns ganz klar vor Augen geführt, dass Sicherheit und Unversehrtheit eines der wertvollsten Dinge sind, die wir besitzen. Die Zeiten werden nicht besser werden, weder für die Menschen noch für uns; im Gegenteil: Es wird eher noch gefährlicher und blutiger werden als es ohnehin schon ist. Davon bin ich mittlerweile felsenfest überzeugt. Und da ich nicht vorhabe mich demnächst als blutiger Haufen Knochen vor der eigenen Zuflucht wiederzufinden, würde ich hinsichtlich dessen gerne etwas verstärkt intervenieren. Oder kurzum: Könnten sie sich vorstellen im Personenschutz zu arbeiten? Was immer sie in den Grubenkämpfen verdienen, ich verdopple es. Spielend. Allerdings würde ich dabei voraussetzen, dass sie… wie soll ich das ausdrücken? Den Tod zu töten vermögen? Deshalb auch meine erste Frage: Wie gut sind sie?“ Ein Lächeln, ehrlich und erwartungsvoll.
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Re: Frozen [Mittelschicht – West Town; Clara/Munir/Offen]

Postby Munir Andara » 10 Mar 2016, 14:06

Bei ihrem Eigenlob musste er grinsen, vertrat er doch von sich selbst eine ähnliche Meinung. Als sie kurz darauf vor der verschneiten Hecke hielten und sich auf ihren Lippen ein Lächeln ausbreitete, hob er die linke Augenbraue. Aufgrund der tief in die Stirn gezogene Mütze verschwand sie fast unter ihr. Dann glättete sich seine Mimik wieder, er schien ihr nun aufmerksam zuzuhören.
Bei dem Punkt angelangt, die Straßen würden immer unsicherer und die Zeiten blutiger werden, zuckte er nur die Schultern. Das musste ihn nicht interessieren, er hatte fast nichts zu befürchten; aber sie? Sie schien ungleich mehr fürchten zu müssen, sofern es physischer Natur war.
Ihre erste Frage beantwortete er mit einem Nicken, wenn auch nur angedeutet. Ein Leben als Leibwächter mochte zwar ungleich langweiliger sein als ein Leben als unabhängiger Kämpfer, aber in heutigen Zeiten konnte viel geschehen. Vielleicht war seine Einstellung zu diesem Beruf falsch und es geschah tatsächlich viel, wer wusste das schon. Und er würde über ein festes Einkommen verfügen, was nie falsch war und immer nützlich sein konnte.
Dann begann er wieder zu schreiben.

Gut genug. Ich wüsste nicht, wie ich Ihnen zeigen sollte, wie gut ich bin. Außer vielleicht irgendwo in den Slums. Allerdings weiß ich nicht, wieviel Blut Sie sehen wollen. Und wieviel Mitleid Sie mit ihnen haben würden.
Hier zögerte er kurz, bevor er weiterschrieb.
Bezog sich das "gut" auf einen waffenlosen oder bewaffneten Kampf? Ich würde Waffen bevorzugen.
Ein Grinsen, als er dies schrieb.
Toreador, richtig?
Bei seinem letzten Satz hatte er kurz gezögert, jedoch eindeutig, um zu überlegen. Dabei war aus seinem vormals recht breiten Grinsen eine Andeutung geworden. In seinen Augen stand kein Amüsement mehr, nur noch eine tiefgreifende Neugier, gepaart mit dem Ausdruck einer ehrlichen Frage.
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Re: Frozen [Mittelschicht – West Town; Clara/Munir/Offen]

Postby Clara de Vries » 10 Mar 2016, 22:04

Ja, wenn man sich an einer ordentlich trainierten Portion Muskelkraft erfreuen durfte und diese auch stilsicher in zu Boden gehende Kontrahenten verwandeln konnte, war man in diesen unsicheren Zeiten klar im Vorteil. Das heißt, wenn man sich in den entsprechenden Stadtvierteln oder der entsprechenden Gesellschaft aufhielt. Womöglich gab es sogar neben ihrer postulierten Exzellenz in dem von ihr erwähnten Bereich, noch ganz andere Dinge, auf die sie zurecht stolz sein könnte. Vielleicht sogar ihr attraktives Aussehen aber das half einem ja nun wirklich nicht viel, wenn man sich einer furchtlosen und ganz und gar amoralischen Meute aus rohen Schlägern stellen musste; im Gegenteil. Diese imaginative Meute käme wohl noch auf bei weitem 'kreativere' Ideen als einen simplen Raubmord. Wenn unbändiger Hunger und der beständig zehrende Kampf ums Überleben, schließlich ihren Tribut forderten, waren moralische Grundwerte eher zweitrangig. Insofern mussten sich sogar die Sterblichen dem eigenen, inneren Tier stellen. Clara machte jedoch genau wie er bereits angenommen hatte, eher nicht den Eindruck als könne sie es spielend mit einem willensstarken und physisch überlegenen Gegner aufnehmen. Von untoten Gegnern ganz zu schweigen. Ihre einzige Waffe, so mochte er vermuten, war höchstwahrscheinlich die sprichwörtliche Feder und ein gewisser, reizvoller Charme. Symbolisch ganz einwandfrei, zudem auch ein visueller Augenschmaus aber diese blumige Metapher funktionierte leider in direkten Konfrontationen nie besonders gut. Da käme nun allem Anschein nach er ins Spiel; brachte genau die Talente und Kenntnisse mit, die ihr gänzlich fehlten. Und zahlen würde sie dafür auch noch. Das klang doch schon einmal ganz ordentlich.

"Es geht nicht um Mitleid. Ich möchte sie nicht dazu zwingen, unfreiwilligen Trainingspartnern das Genick zu brechen, nur um mir etwas zu beweißen. Eine Kostprobe ihrer Fähigkeiten, könnte dort erfolgen wo sie sich am wohlsten fühlen: Im Ring - umgeben von einer johlenden und tobenden Masse die sie mit brachialen Schreien anfeuert." Sie hob knapp die Schultern.

"Ich bin absolut überzeugt davon, das sich ein gewöhnlicher Kampf im Ring sogar noch zu etwas Eindrucksvolleren steigern könnte, womit wir auch wieder bei den Blutgruben wären. Sie bevorzugen den bewaffneten Kampf? Laut meinen Erfahrungen, gibt es nichts was es nicht gibt. Warum sollte dann ein illegaler, bewaffneter Ringkampf mit reichlich Blut und zahlenden Schaulustigen illusorisch sein? Natürlich wäre so etwas in allerhöchstem Maße illegal und würde höchstens in den Slums stattfinden aber der Ort an dem ich mich persönlich von ihren Qualitäten überzeugen kann, spielt für mich kaum eine Rolle. Oder aber... " Ihre Lippen verzogen sich zu einem schmalen Grinsen. Es gab noch eine weitere, weitaus gefährlichere Möglichkeit seinen Wert zu demonstrieren.

"... sie nehmen am Turnier im Willis Tower teil. Ich bin mir sicher sie haben schon von dem bevorstehenden Spektakel gehört. Da würden sie auf Gegner treffen, die ihrer sicher würdig wären oder sie vielleicht sogar noch übertreffen. Wissen sie was? Mir steht der Sinn nach etwas erfrischend Spaßigem: Sie kämpfen in der Arena und wenn sie die Hälfte der Kämpfe gewinnen sollten, stelle ich sie ein und lege noch eine satte Prämie auf ihr erstes Gehalt in meinen Diensten drauf. Ich finde das ist doch schon ein recht verlockendes Angebot oder?" Die hübsche Frau zwinkerte ihm im höchsten Maße amüsiert zu. Ja, sie hatte wohl gefallen daran gefunden ihn sich als Gladiator im Kolosseum vorzustellen.

"Und falls sie im Turnier tatsächlich als Sieger hervorgehen sollten, stelle ich ihnen dies hier in Aussicht..." Wortlos deutete sie auf seinen Notizblock, hatte die dampfende Tasse mittlerweile neben sich im Schnee abgestellt und lächelte ihn geheimnisvoll an. Würde er ihr den Block aushändigen, so würde sie flink ein paar Wörter in sinnvollen Zusammenhang aneinanderreihen und das zerknitterte Stück Papier, im Anschluss ein paar Mal zusammenfalten. Zwischen Zeige- und Mittelfinger geklemmt, wanderte ihre Botschaft dann an ihn weiter und falls er geneigt wäre sie entgegen zu nehmen, würde er plötzlich feststellen, das sie diese nicht so ohne weiteres frei gab. Dazu bedurfte es nämlich eines weiteren, nüchternen Blickes ihrerseits, der die Bedeutsamkeit der geschriebenen Zeilen noch unterstreichen sollte. Dann erst würde er das kleine Stück Papier entfalten und sich dem grenzenlosen Lesegenuss hingeben können.

"Mit Toreador liegen sie übrigens vollkommen richtig. Was hat mich verraten?" Ihr entzückendes Grinsen verriet dem aufmerksamen Beboachter unverkennbar, das sie nach wie vor sehr angetan von ihm zu sein schien. Warum sollte sie ihn wohl auch sonst als ihren Leibwächter verpflichten wollen? "Brujah....?", fragte sie dann nachdenklich. Ein Schuss ins Blaue, denn offensichtlich klang sie bei dieser ersten Vermutung noch etwas unsicher und unschlüssig.
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Re: Frozen [Mittelschicht – West Town; Clara/Munir/Offen]

Postby Munir Andara » 12 Mar 2016, 01:07

Das, was sie ihm verkündete, klang gut. Verdammt gut sogar, befand er. Immerhin schaffte sie ihm gerade einen zusätzlichen Anreiz, das Turnier zu gewinnen, oder zumindest weit zu kommen. Schließlich kannte er keinen derer, gegen die er antreten würde persönlich. Lediglich hoffen konnte er, einigen der ihm bekannten Kainiten gegenüberzutreten. Was allerdings unwahrscheinlich war, sie würden nicht einmal etwas von dem Turnier mitbekommen, wenn es in der Mittelschicht veranstaltet werden würde, glaubte er.

Zwingen? Vielleicht bitten, aber.. wenn ich derartige Skrupel hätte, was denken Sie: Würde ich auch nur eine Woche in den Slums überleben? Aber sicher, ich habe nichts dagegen, ein Ring ist so gut wie der andere- sie scheinen eine gewisse Fairness in den Kämpfen haben zu wollen.
Ein Schmunzeln umspielte seinen Mund.

Das Turnier? Ich hatte ohnehin vor, dort teilzunehmen. Einen Sieg oder auch nur ein Bestehen von mehr als der Hälfte aller Kämpfe kann ich Ihnen jedoch nicht garantieren, immerhin kenne ich keinen meiner Gegner und kann mir kein Bild von den dort anwesenden Kainiten machen. Sie können mich ja anfeuern, wenn Ihnen an einem erfolgreichen Turnier liegt.
Sein Schmunzeln vertiefte sich etwas, war jedoch wie hinfortgefegt, als er den Zettel öffnete. In seinen Augen, seiner Mimik, seinem gesamten Gesicht stand nur eine Frage geschrieben: Wie..?
Als sie weitersprach, schwand seine bisher nicht festgehaltene, ausformulierte Frage aus seiner Mimik, allein in den Augen fand sich ein schwacher Nachklang dessen.
Er zuckte die Schultern.

Ihre Tätigkeit als Autorin und ihre Meinung von sich selbst, schätze ich. Ich kenne mich jedoch nicht wirklich gut mit den Clans aus, die in der Camarilla heimisch waren. Ehrlich gesagt ein Schuss ins Blaue.

Er zögerte einen Moment, dann begann er auf einen neuen, bisher unbeschriebenen Zettel zu schreiben.

Nein. Damit Sie einen Grund haben, sich auf unser gemeinsames Wiedersehen zu freuen, werden Sie meinen Clan erst dann erfahren. Oder noch später, wir werden sehen.

Er zuckte kurz mit seinen Schultern und stand einen Moment unschlüssig an ihrer Seite. Dann nickte er in Richtung des Weges. Hätte er über die Fähigkeit des Sprechens verfügt, wäre wohl ein Wollen wir? über seine Lippen in die kalte Winternacht hinaus gelangt.
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Re: Frozen [Mittelschicht – West Town; Clara/Munir/Offen]

Postby Clara de Vries » 12 Mar 2016, 21:47

Wollte sie? Ja sie will. Ihn nämlich, an ihrer Seite. Damit dieser entspannende Spaziergang bei eisigen Temperaturen fortgesetzt werden könnte. Das leichte Kopfschütteln, gepaart mit einem Überrollen ihrer grünen Augen, signalisierte ihm eine leicht entnervte Unzufriedenheit. Dennoch hakt sie sich kurzerhand bei ihm unter, auch wenn er das nicht will. Da müsste er sie schon regelrecht von sich stoßen, um sie auf Distanz zu halten. Andererseits gäben sie auf diese Art, nur ein weiteres, verstreutes Pärchen in diesem Park ab. Wenn schon nichts Anderes, dann hätte man somit eine recht zufriedenstellende Tarnung hergestellt, obwohl dennoch fraglich blieb, ob das ihre primäre Intention hinsichtlich dieses geradezu intimen Körperkontakts sein mochte.

"Alle machen immer so ein großes Geheimnis aus ihrer Abstammung. Als ob Toreador sein so etwas wie eine ansteckende Krankheit wäre oder allein die Zugehörigkeit zu den Brujah, eine Art soziale Ächtung nach sich ziehen müsste. Was haben die nur alle für ein Problem? Es wäre ja nicht so, das sie ein groß angelegtes Auswahlverfahren durchlaufen wären, dutzende Checklisten und Eignungstests hinter sich hätten. Haben sie sich das ausgesucht? Habe ich mir das ausgesucht? Ich hasse diese eindimensionalen Klischeebilder." Ihr Kopf legte sich mit einem leichten Schmunzeln an seine Schulter, während sie gemeinsam ihren gefrorenen Weg durch das dämmrige Kunstlicht des Parks fortsetzen. In der Ferne hörte man die leisen Klänge eines weiteren Songs der angespielt wurde. Vielleicht würde ihn der eine oder andere sogar wiedererkennen.

"Nebenbei bemerkt möchte ich ihnen raten, eine Dame niemals warten zu lassen, sollten sie tatsächlich einmal eine längerfristige Beziehung anstreben. Hübsche Freundinnen, haben leider die schlechte Angewohnheit sehr ungeduldig sein zu können." Mit einem leicht schelmischen Glanz in ihren Augen, wanderte ihr Blick verschmitzt lächelnd zu ihm hoch. "Aber immerhin haben wir damit schon einen guten Grund für ein zweites oder drittes Date Mr. Doppel-Schweigsam. Küssen sie eigentlich schon beim ersten Rendevouz oder sind sie der Blumen-und-Pralinen Typ?" Ein verhalten-kicherndes Lachen ertönte, als sie diese leicht anzüglichen Scherze auf seine Kosten, sichtlich genoss. Trotzdem war da auch ein gewisser, neugieriger Ernst in ihrer Stimme der es... schwierig machte festzustellen, was genau sie mit diesen Fragen tatsächlich beabsichtigte. Es folgte eine knappe Pause, in der man nur mehr das leichte Schaben ihrer festen Absätze auf dem gekieselten Weg vernehmen würde, als ihre Schritte sie immer weiter weg von der bunten Menschenansammlung trugen. Die Musikkulisse der spiegelnden Eisbahn, war mittlerweile ebenfalls nur noch ein leises Flüstern zwischen den kahlen Bäumen.

"Ich glaube, dass sie ein ziemlich harter Brocken sind, wenn ich das einmal so salopp ausdrücken darf. Das hier ist weder ihr Viertel, noch ihre soziale Schicht. In meiner Vorstellung, sind sie einer dieser breitschultrigen Männer, um die jeder einen respektvoll großen Bogen macht. Sie wissen schon: Gefährlich wie Glasscherben auf dem Asphalt, unbeugsam wie Stahl und so zäh wie Leder. Die Waffe im Anschlag, der stechende Blick zeigt die völlige Bereitschaft alles zu tun, um in diesem Großstadtdschungel zu überleben. Der moderne Überlebenskünstler." Ihre Augen leuchteten beinahe bei diesen Worten. Nein, diese Vorstellung schien sie nicht im geringsten zu erschrecken oder zu irritieren. Aber wie er ja schon feststellen musste, hatte sie einen leichten Faible für besonders ausdrucksstarke Bilder. Wahrscheinlich gehörte das einfach mit zu ihrem Berufsbild - szenisches Aufbereiten von Konzepten und Imaginationen. Hier fand man das Konzept von Aggression, Dominanz und Stärke wider. Das gefiel ihr. "Ich brauche noch einen Bad-Boy für meinen nächsten Roman. Mit ihrer Erlaubnis, werde ich mich an ihnen orientieren. Sie würden einen fantastischen Protagonisten abgeben. Der einsame, stumme Vollstrecker." Ohne eine Pause zu machen, setzte sie nahtlos fort.

"Um das Turnier müssen sie sich keine Sorgen machen. Ob sie einen Kampf gewinnen oder zwei, ob ihnen die Hälfte gelingen mag oder auch nicht; es wird dennoch eine sehr eindrückliche Möglichkeit sein, mich von ihren Qualitäten als Leibwächter überzeugen zu können. Geben sie einfach nur ihr Bestes, mehr verlange ich gar nicht. Nebenbei bemerkt werde ich selbst wohl nicht anwesend sein können aber vertrauen sie mir: Ich bekomme durchaus alles mit was in dieser Stadt vor sich geht, auch wenn ich nicht immer vor Ort bin." Vielsagend schmunzelnd, verfolgte sie dann gebannt seine ungläubige Reaktion auf ihren hübsch verschnörkelten Text. Es waren nur ein paar aneinandergereihte Worte aber die hatten es allem Anschein nach in sich. Ja, wie nur? Völlig undenkbar. Sie tätschelte ihm leicht den Arm und verzog lächelnd die Lippen.

"Die Chancen dafür stehen ungefähr gleich hoch, wie ihre Chancen als glorreicher Sieger vom Platz zu gehen während ihnen die Menge beifallspendend Rosen streut. Dennoch ist sie vorhanden; genauso wie ein gewisses Risiko. Sie haben ihre Muskeln, ich habe Beziehungen. Das hängt mit meinem Bedürfnis nach vielfältiger Kommunikation zusammen aber sie werden das schon machen. Ich drücke ihnen auch im meinem eigenen Interesse, ganz fest die Daumen." Erneut tätschelte sie ihm den Arm. Er schwieg sich über seinen Clan aus, da war es nur recht und billig, wenn sie auch ein paar kleine Geheimnisse für sich behielt. Für ein erstes Date, verlief der Abend gar nicht mal so schlecht. Er war im Gegenteil sogar so gut, dass sie schlussendlich freundlich fragte: "Wollen wir nicht zur nächsten Stufe unserer Kommunikation übergehen? Phase eins mit den gediegenen Höflichkeiten haben wir doch schon ausreichend exerziert, wie wäre es mit Phase zwei: einem freundschaftlichen 'Du'? Nenn mich doch einfach Clara." Sie zwinkerte ihm aufmunternd zu.

"Du kennst dich mit Sekten und Clans nicht wirklich aus? Wo lag denn deine Loyalität, bevor uns all diese merkwürdigen Gesellschaftskonstrukte, in einer schicksalshaften Nacht buchstäblich um die Ohren flogen? So wie ich dich einschätze, hast du vermutlich schon immerdein eigenes Ding durchgezogen oder? Warst du ein Anarchen Sympathisant?" In ihren grünen Augen lag ernsthaftes Interesse und es machte den Anschein, als könne keine Antwort die er ihr geben würde, sie in irgendeine Art Verlegenheit bringen. Oh... und sie hatte scheinbar ohne auf seine Rückantwort zu warten, unverzüglich zum Du gewechselt. Ganz natürlich.

[Tune von der Eisfläche :P: You say it best...]
"In order for the light to shine so brightly, the darkness must be present."
~Francis Bacon~
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Re: Frozen [Mittelschicht – West Town; Clara/Munir/Offen]

Postby Munir Andara » 13 Mar 2016, 01:49

Als sie sich bei ihm unterhakte, versteifte sich seine Muskulatur ein wenig, wurde nach einer kurzen Anspannung jedoch wieder locker- oder lockerer, ganz locker war sie nur selten. Er hatte wohl wirklich nicht mit Körperkontakt gerechnet, aber sei es drum, selbst wenn er dies würde ändern wollen- zu große Aufmerksamkeit folgte daraus. So ließ er sie gewähren, auch wenn ihm ein Handeln wie das ihre nahezu vollkommen fremd war. In seiner Zeit als Lebender, als Mensch, hatte er Andere derart agieren sehen, aus welchen Beweggründen auch immer. Aber während seiner Zeit unter den Kainskindern?
Die einzigen Gefühle, die er als Beweggründe seines untoten Umfeldes kannte, waren Zorn, Gier, Eifersucht und Hass. Dementsprechend wirkte er auch etwas irritiert bei ihrem Tun, wobei diese Irritation sich abschwächte, jedoch vorhanden blieb. Er war sich keinesfalls so sicher, ebenso über die Bezeichnung ihres zufälligen Treffens als Date, wie sie es wohl war. Und dennoch kehrte die Ruhe, die er wohl häufig ausstrahlte, sah man ihn auf der Straße, wieder in seine Bewegungen und sein Gesicht zurück, wenn auch nicht so vollkommen, wie sie dort zuvor ansässig gewesen war.

Und nein, natürlich hatte er es sich nicht ausgesucht. Wer konnte das schon von sich behaupten, weder heute noch damals? Gemeinhin wurde nur das eigene Schicksal akzeptiert.
Ihren noch intimeren Körperkontakt registrierte er unschlüssig, unternahm jedoch nichts gegen ihre Bewegungen, sich ihr selbst anzunähern wagte er hingegen nicht, kannte er doch nur Gefühle als Beweggrund zu Gewalt und versuchte daher, Ruhe zu wahren.
Ihre nächsten Äußerungen schien er zu ignorieren- jedenfalls waren die einzigen Reaktionen, die sie auf ihre Ausführungen erhalten würde ein unschlüssiges Schulterzucken auf ihre Beschreibung von ihm, ein bedächtiges Nicken aufgrund ihres Willens, ihr eigenes Geheimnis wahren zu wollen und ein schnaubendes Ausstoßen von Luft aus seiner Nase- fast schon eine Art Lachen.
Clara.
Seinen Vornamen kannte sie schon, er musste ihn ihr gegenüber nicht noch einmal erwähnen. Wie sollte er auch? Sprechen konnte er nicht und schreiben in seiner jetzigen Situation ebenfalls mehr schlecht als recht, außerdem empfand er es auch nicht als unbedingt notwendig.

Bei ihren nächsten Fragen hingegen zog er resigniert mit einer Hand seinen Block hervor. Dann begann er zu schreiben, vorsichtig jedoch, schien er sie wohl nicht mit seinem Ellbogen in der Seite treffen zu wollen.

Ich sagte, ich kenne mich nicht gut mit den Camarillaclans aus, nicht, dass ich mich allgemein nicht auskenne. Meine Loyalität lag bei meinem Rudel, und nein, war ich nicht. Eher Sabbat Sympathisant. Dem hast du wahrscheinlich die Camarilla vorgezogen, oder?

Nun drehte sich sein Kopf zu ihr, gespannt beobachtete er ihre Reaktion auf seine Eröffnung. Und dennoch wirkte sein Körper so entspannt wie zuvor und er schritt mit ihr weiterhin den Weg entlang.
So many and so various laws are giv’n;
So many laws argue so many sins
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